Usbekistan – Ўзбекистон Oddysee in Zentralasien

Hier nun, nach den Fotos, noch der Bericht unserer Odyssee durch Usbekistan und die autonome Republik Karakalpakistan.

usbekische polizisten 20130702 1416255132Die Einreise hat uns zwei Stunden gekostet. Diesmal nur ein Raum für alle Formalitäten und fast keine Leute. Zuerst mussten wir zwei Zolldeklarationen ausfüllen in zweifacher Ausführung, eines für den Zoll, das andere für uns bei der Ausreise. Anschließend gab es einen schönen Stempel in den Pass und auf die Deklarationen, soweit war alles tiptop. Nun zu den Motociklets, mit dem Schweizer Fahrzeugausweis wird ein Papier ausgefüllt und ebenfalls mit Stempel verschönert. Alles war auf Russisch und in kyrillischer Schrift. Christian konnte zum Glück ein Datum erkennen, welches 17 Tage in der Zukunft lag. Wir hatten jedoch für uns persönlich 30-Tage-Visas. Auf Nachfrage beim Chef (schien er zumindest zu sein), mit dem wir schon vorher etwas geplaudert hatten, hieß es, dass Motorräder nur 14 Tage im Land sein dürfen (wir Fragen uns, wieso denn auf dem Papier 17 steht). Nach Erklärung unserer Situation mit der Kupplung und dass wir nicht wüssten, wie lange die Reparatur dauern würde und etwa einer Stunde später, hatten wir dann ein neues Papier in den Händen mit ganzen 30 Tagen Erlaubnis für unsere Motorräder. Nun gibt’s noch die übliche Durchsuchung des Gepäcks, bei welcher einer der Pfeffersprays sich verabschieden musste.

geld vom bazar 20130702 2089124340Nun waren wir in Karakalpakistan, der großen, östlichen autonomen Republik innerhalb Usbekistan, dessen Hauptstadt Nukus unsere Basis sein würde für die nächsten drei Wochen. Als Erstes mussten wir wörtlich Geld einkaufen gehen auf dem Bazar, denn der offizielle Kurs der Regierung bzw. Banken liegt absurderweise 30% unter dem, was es auf dem Bazar gibt. Die größten Banknoten sind 1000 Som, was etwa 30 Rappen entspricht. Daher gibt es für 400$ ein gutes Kilogramm Banknoten. Danach brauchte ich noch eine Simkarte für Internet und Telefonate, um meine Kupplung zu organisieren. Im Beeline (Telekomfirma aus Russland) Shop hiess es erst, als Ausländer ginge das nicht. Kaum umgedreht wurden wir zurückgepfiffen mit dem Hinweis, dass es da evtl. doch einen Weg gäbe... ein paar Minuten später war ich mit dem Smartphone Online.

defekte kupplung 20130702 2045346951In Usbekistan ist es unmöglich, eine neue BMW Kupplung zu bekommen, daher musste so schnell wie möglich eine in der Schweiz organisiert und nach Nukus gebracht werden. Der Plan war folgender: Kupplung in der Schweiz bestellen, per DHL nach Taschkent (einziges DHL Büro in Usbekistan) liefern und dann persönlich da abholen. Die Bestellung beim Händler in der Schweiz verlief harzig mit einigen Kommunikationsproblemen, war dann aber trotzdem nach drei Tagen abholbereit. Danach ging es aber fix, DHL wurde per Internet beauftragt die Kupplung abzuholen und in der gleichen Nacht war die Kupplung bereits in Leipzig. Um die Angegebenen 7 Tage Lieferzeit nach Taschkent sinnvoll zu nutzen, beschlossen wir, auf dem Weg nach Taschkent die Städte auf dem Weg zu besuchen, so dass wir, sobald mein Töff repariert sein würde, ohne große Zwischenhalte nach Duschanbe in Tajikistan fahren konnten. Also fuhren wir mit dem Taxi über Kiva, Buchara und Samarkand in die Hauptstadt. 1200km, teils entlang des Amudarja Flusses, wo alles bewässert und damit grün ist, und teils durch hunderte Kilometer lange Wüstenpassagen.

zu besuch in tashkent 20130702 1661969952Nach 6 Tagen in Taschkent kam die Kupplung fast Zeitgleich mit uns an, einen Tag früher als angegeben. Es gibt sie doch noch, die funktionierenden, professionellen Großkonzerne. Daher gleich die Kupplung im DHL Büro abgeholt und neues Motorenöl besorgt, da es so was in Nukus nicht gibt (zumindest nichts Hochwertiges). Auf dem gleichen Weg haben wir dann nach Rückkehrmöglichkeiten nach Nukus gesucht. Die zwei Täglichen Flüge waren für die nächsten Tage ausgebucht und der Zug fuhr erst in zwei Tagen und bräuchte 22 Stunden. Ein geschäftstüchtiger Touristenfänger am Internationalen Flughafen hat uns dann ein Angebot gemacht, um mit dem Taxi über Nacht nach Nukus zu fahren für einen akzeptablen Preis. Also vereinbarten wir für den selben Abend noch die Abfahrt. Nach einem Treffen mit Freunden von Christian wurden wir dann abgeholt und an den Stadtrand gebracht. Dort stiegen wir dann in ein nagelneues Fahrzeug ein, welches erst 200km drauf hatte. Mit einem weiteren lokalen Mitfahrer und dem Fahrer ging es nun los, über Nacht 1200km nach Nukus durch Wüsten und über Schlaglochpisten. Mit dem Fahrer ins Gespräch gekommen stellte sich heraus, dass dieser ehemaliger Polizeikommandant in Nukus ist und während seiner Pension ab und zu mal neue Autos von der Hauptstadt nach Nukus befördert und nebenbei noch etwas Geld mit Passagieren verdient. Er offerierte uns auch einigermaßen akzeptables Benzin in Nukus, da es dort offiziell keines zu kaufen gibt, und wenn dann nur extrem schlechte Qualität. Nun gut, wir werden also zwei mal bei Ihm voll Tanken, er hat einen guten Preis aber dafür laufen unsere Motorräder einwandfrei.

fotoshooting in munyak 20130702 1402425440Nachdem die Kupplung eingebaut und getestet ist, können wir nun doch noch für eine kleine Exkursion an den austrocknenden Aralsee. Erst nach Munyak, ehemalige Küstenstadt und heute eines der Enden der Welt, danach durch die Aralkum (Aralwüste, ehemaliger Seegrund). Alles in allem ein schönes Offroad Abenteuer. Bei der Rückkehr Richtung befestigter Straße hatten wir dann unsere erste Reifenpanne, 10km vor der Straße. Das Ventil ist gerissen. Mit einem Flick über das Ventil und etwas Uhu Super Glue erreichten wir die Straße und konnten auch weiterfahren, jedoch mussten wir alle 20km wieder aufpumpen. Für heute würde es nicht nach Nukus zurück reichen, also übernachteten wir im Zelt. Vor der Abfahrt wurde das Ventil von außen noch mit einem Stück alten Lastwagenschlauch zusätzlich abgedichtet. Damit hielt eine Pumpladung nun gute 100km. In Nukus angekommen suchten wir auf dem Autobazar nach einem neuen Schlauch, jedoch war da nichts zu machen.

bikeshop 20130702 1986276453Wir entschieden 600km nach Buchara zu fahren, wo es angeblich so etwas gäbe. Auf der fahrt nach Buchara pumpten wir alle 100km den Pneu neu auf und es gab ein paar Kontrollposten, wo wir uns „registrieren“ mussten, was heißt die Namen und Töffnumern werden in ein Notizbuch geschrieben. In Buchara besuchten wir wieder den Autobazar, was ein Highlight an sich ist. Aber ein Pneu mit unseren Maßen gab es nicht, obwohl es sonst alles gibt auf diesem Bazar. Aber wir fanden ein Ventil das passt von einem anderen Schlauch, welches wir dann kaufen, um unseres zu ersetzten. Wir versuchten aber das alte Ventil nochmals zu reparieren und das neue als Backup Lösung mitzunehmen. Am Abend nochmals auftanken in Buchara, hier ebenfalls von einem Polizisten. Organisiert über unseren Taxifahrer, da es hier immer noch fast kein Benzin gibt, bzw. nur jeden zweiten Tag am Morgen solange es reicht.

gutes neues ventil 20130702 1981391385Unsere erneuter Flick-Versuch hat uns nur 40km weiter gebracht. Nach einem halben Tag bei 41°C und einem gescheiterten Versuch das neue Ventil selbst auf den alten Schlauch zu vulkanisieren, suchten wir einen professionellen Vulkanisierer auf. Dieser klebte das Ventil mit Heißleim auf den Schlauch, und es hielt bis heute quer durch den ganzen Pamir. Nun konnten wir endlich daran denken, Usbekistan Richtung Tajikistan zu verlassen. Auf dem Weg dorthin fand ich noch ein unverhofft tiefes Schlagloch, welches meiner Felge etwas zusetzte. An der Usbekischen Grenze erlebten wir einmal mehr das Gegenteil als das, was wir in Foren gelesen hatten. Die Ausreise erfolge ohne Probleme. Zolldeklaration nochmals ausfüllen, kurzes Schwätzchen mit den Beamten, die eigentlich das Gepäckdurchsuchen sollten und weiter waren wir in Tajikistan.