Russland – Россия Das sibirische Rennen zum Baikal

Mit etwas Verspätung, nach der Ausreise und den Fotos, kommt auch noch der Bericht von unserem Rennen durch die Russische Föderation. Von Barnaul an den Baikal, das heisst entlang endloser Weizenfelder, unendlicher Wälder und regenreicher Tage einmal quer durch Sibirien.

rauchzeichen 20130909 1607740243Nach dem eröffnen der Grillsaison gab es in Russland gleich mal richtiges Herbstwetter, welches uns veranlasste, die Winterkleidung wieder in Gebrauch zu nehmen. Irkutsk, unser Ziel, lag noch weit weg und wir versuchten die grossen Distanzen durch Sibirien zügig hinter uns zu bringen. Jedes Ansinnen die Tagesetappen zu verkürzen wurde mit der Aussage "wir sind ja schliesslich nicht zum Spass hier" abgeschmettert. Als ich dann in Mariinsk im Spital lag, rückte Irkutsk und der Baikalsee wieder in weite Ferne. Während ich mit Spritzen und Infusionsnadeln wie eine Voodoo-Puppe malträtiert wurde, dachte ich mir dann auch: "wir sind ja schliesslich nicht zum Spass hier". Der Hotelmanager sorgte dafür, dass es für Amos trotzdem nicht langweilig wurde:

jevgeni und christian auf metallsuche 20130909 1853607275„Am ersten Abend wurden Freunde von Jevgeni, dem Hotelmanager, eingeladen. Jeder brachte Essen mit für alle, denn das wird gebraucht beim Vodka trinken. Denn so wurde ich belehrt, nach jedem Schluck, welcher auch immer zwangsweise mit einem Tost beginnt, muss gegessen werden damit der Vodka nicht überhand nimmt. Der Abend wurde lang und der nächste Morgen noch länger als wir mit Jevgeni seinem Hobby nach gingen und im Wald mit dem Metalldetektor nach altem Kriegsgerät suchten wie z.b. Patronenhülsen. Jedoch habe ich mich ganz gut geschlagen beim Vodka trinken mit den Russen, haben Sie mich gelobt.

Auf der Strasse wurde ich dann von einer Verkehrspolizistin, vom Polizeiposten nebenan, angesprochen wegen unseren Töffen. Ich solle doch am Nachmitag zu Ihnen kommen, denn sie hätten einen Schulungstag für junge Verkehrssünder auf Mopeds. bei der verkehrspolizei 20130909 1236137565Na gut, dann hörte ich mir zwei Stunden Vorträge russischer Verkehrspolizisten an und beantwortete ein paar interessierte Fragen. Wobei ich Ihre Fragen meist nicht verstanden habe noch Sie meine Antworten. Ein Tag später wurde ich mit zum Angelwochenende mitgenommen, tief in die Sibirischen Wälder wo breite Flüsse langsam nach Norden ins Polarmeer schleichen. Fischen war dann eher Nebensache, gefröhnt wurde wieder dem Vodka und den Grilladen. Leider durfte ich mein Zelt nicht mitnehmen, da Jevgeni eines hatte. Dieses war aber als in der Nacht heftiger Regen aufkam nicht dicht und so wurde es eine feuchte Nacht. Bemerkenswert war einmal mehr die Verständigungsfunktion des Vodkas, während wir uns ohne Vodka mit jeweils Wortbruchstücken in Russisch und Englisch einigermaßen verständigten, konnten wir mit Vodka schon richtige Diskussionen führen ;-)„

bei freunden in krasnojarsk 20130909 1745016156Danach ging es in kleinen Etappen wieder weiter, alles der stark befahrenen Transsibirischen Eisenbahn entlang. Am Jenissei in Krasnojarsk wurden wir von lokalen "Baikern", Tanya und Stepa, abgefangen und umhergeführt. Bei den sibirischen Temperaturen wagte sich Amos sogar auf ein Jetski. Der Besitzer meinte, bei uns würde eh jeder denken in Sibirien laufen alle nur in Pelzmütze und Tarnanzug im Schnee rum, auch im Sommer. Das stimmt natürlich nicht! Es läuft hier nur jeder zweite so rum. Die restlichen fahren mit einem grossen Geländewagen und Jetski an den Jenissei runter.

In Irkutsk angekommen holten wir uns unsere neuen Pneus ab und wechselten sie. Sogar der Anakee 2 auf dem BMW Hinterrad liess sich mit gutem zureden (=roher Gewalt) von der Felge nehmen. Ich beschäftigte mich in Irkutsk ein paar Tage mit Wirtschaftskunde, während Amos eine Ausfahrt machte, natürlich mit dem Motorrad:

inselcamping 20130909 1933585848„Um die neuen Heidenaus's zu testen fuhr ich hinaus auf die UNESCO-Insel Olchon im Baikal. Sibirien, aber besonders der Baikal ist wunderschön. Der Region um den Baikal gebe ich eine 0.8 auf der Norwegen Skala, was sehr schwierig zu erreichen ist, denn die meisten Länder wurden gar nicht erst in dieser Skala gewertet. Mit der Fähre schiffte ich hinüber zur Insel, ab da gab es dann keinen Asphalt mehr und wenn überhaupt noch so etwas wie Schotterpisten. Kaum da, schon sitzen neben mir im Kaffee deutschsprechende Pensionäre. Daher machte ich mich auf um Offroad ein abgeschiedenes Plätzchen am Ufer zu finden. Dabei musste ich dann auch feststellen, dass auch die neuen Pneus ihre Grenzen haben und musste mich aus dem Schlamm ziehen lassen (aufgrund der Situation leider keine Fotos). abgerutscht 20130909 1817991619Nach dieser Aufregung konnte ich mich dann zwei Tage am Ufer ausruhen mit super Sonnenuntergängen und gierigen Möwen. Am letzten Tag wollte ich noch auf die andere, dem See zugewandte Seite der Insel. Welche nur über einen ungemütlichen Waldweg zu erreichen ist. Immer noch beflügelt von den neuen Pneus wagte ich es und wurde mit einem super Ausblick belohnt. Jedoch bei der Rückfahrt wich ich einem dicken Ast aus und schlipfte mit dem Vorderrad ab in ein Bachbett. Unmögliche Situation! Aber zum Glück half mir eine vorbeikommende Familie da wieder raus bzw. der Vater in Barfuss. Damit war ich bedient, und nahm den Heimweg nach Irkutsk wieder in Angriff.“

Danach ging es dem Baikalsee entlang weiter nach Ulan Ude. Plötzlich war der sibirische Wald weg, wir waren wieder in der Steppe und unterwegs Richtung Süden an die Grenze ..., aber dazu später mehr.