Near Miss Report Chronik der letzten Schlacht um China

Nachfolgend eine weitgehend gekürzte Fassung unserer letzten Schlacht um China, welches nur all zu oft auf der Kippe stand.

Auf dem Weg nach Bishkek starteten wir vom Chinggis Khaan Flughafen in Ulaanbaatar (dort heisst alles entweder Chinggis oder Khaan) und fliegen über China, welches wir schon bald besuchen sollten. In Bishkek landen wir neben den Flugzeugen der US Air Force, welche hier einen Logistikstützpunkt für deren Kriege in der Region betreibt. Der Unterschied von Mongolien zu Kirgistan dürfte wahrscheinlich genauso gross sein wie der zwischen Kirgistan und der Schweiz.

altai 20130925 1863432680T -19: Es sind nun noch 19 Tage bis zum geplanten Grenzübergang nach China. Die Töffs stehen seit zwei Tagen in Ulaanbaatar abflugbereit und immer noch keine Wort vom Agenten in Mongolien. Wir nutzen die Wartezeit um liegengebliebene Arbeiten zu erledigen. Meine Koffer sind mittlerweile am Limit und der eine hat bereits drei mehrere Zentimeter lange Risse an den Aufhängepunkten. Daher versuche ich dem Touratechgebastel etwas nachzuhelfen und verbringe einen Tag damit, eine Stahlplatte aufzutreiben. Auf einem Markt finde ich dann einen Quadratmeter davon, welche ich dann zuschneiden lassen muss. Danach werden sie auf der Baustelle neben unserem Appartement mit diversen Montagelöchern versehen und am Koffer verbaut. Nun ist der Koffer regelrecht gepanzert und sollte die nächsten 50'000km halten. Ebenfalls habe ich die Webseite etwas optimiert. Unter anderem sind die Kartendaten nun 90% kleiner und laden deutlich schneller (dank dem DouglasPeuker Filter). Ansonsten entspannen wir etwas, was nach den letzten 5 Monaten willkommen ist. Lediglich der Innenhof unseres Blockes, in dem wir ein Appartement haben, ist oft durchdrungen von Autohupen, Autoalarmanlagen und Baustellenlärm. Hinter dem Block liegt die wohl einzige Kreuzung Bishkek's ohne Ampeln, daher kommt es ständig zu Dead Locks und wildem Gehupe. Sie stehen sich (wörtlich) selbst im Weg, wie so oft.

panzerkoffer 20130928 1369015040T -15: Noch etwas mehr als zwei Wochen Zeit bis China, kein Grund zur Panik. Da der Agent sich nicht meldet, melden wir uns. Er bekommt keine Flugbestätigung von Aeroflot, unternimmt aber auch keinen Versuch, andere Wege zu suchen. Wir verlangen sofortige Anfragen bei anderen Airlines und Zielflughäfen. Einen Tag später hat der Agent die Flugbestätigung von Korean Air für den nächsten Tag.

T -12: Es sind keine zwei Wochen mehr. Der Flug hätte am Vortag stattfinden sollen. Wir erfahren jedoch erst heute auf Nachfrage, dass der Flug trotz Bestätigung abgesagt wurde. Der Agent wusste dies mit Sicherheit schon zwei Tage zuvor. Wir sind bereits etwas verärgert. Gleichzeitig werden wir über den Ausfall der nächsten zwei Flüge informiert. Damit steht nun China auf dem Spiel. Daher involvieren wir einen zweiten Forwarder, diesmal keinen rein mongolischen, sondern eine Filiale von DHL.

T -8: Die Zeit wird unerträglich knapp, zumal noch über 600km zur chinesischen Grenze bevorstehen und wieder ist ein Wochenende vorbei. Dazu möchte der Reiseveranstalter den Einreisetermin um zwei Tage vorziehen, da China kurz vor den Nationalferien sei und es zu Stau an der Grenze kommen könnte. Unser erster Agent in Ulaanbaatar hat nun doch eine Flugbestätigung für den zuvor abgesagten Korean Air Flug am heutigen Tag und ist schon unterwegs an den Zoll. Ab sofort rufe ich den Herrn mehrmals pro Tag an. Die Ausfuhr klappt nicht, da eine Registrierung der Motorräder im Hauptzollbüro notwendig ist, dieses hat selbstverständlich schon geschlossen. Der Flug ist weg. Es kommt etwas Panik auf. Ich weise unseren Agenten unter Angabe unseres beträchtlichen Verlustes an, sofort alles abzubrechen. Denn falls sie zu spät kommen, müssen wir dann zwei Flüge zahlen. Die letzte Hoffnung ist DHL, diese haben mündlich eine Flugverbindung zugesagt, welche noch knapp in den Zeitplan passt. Jedoch scheitert dieser Fortschritt am Liefern einer schriftlichen Bestätigung. Damit haben wir nun keine Chance auf China mehr und unsere Vorauszahlung scheint dahin. Nach ein paar Bier beschliessen wir, die Mopeds nach Bangkok und Zürich schicken zu lassen und unsere China-Visa doch noch zu nutzen und per Flug, Auto und Zug durch China zu reisen.

endlich sind unsere motorraeder wieder bei uns 20130925 1817675369T -7: Morgens früh läuft das Ultimatum des Reiseveranstalter ab, wenn wir nicht rechtzeitig kommen, muss er heute noch neue Papiere für die Litauische Gruppe erstellen, ansonsten kommen sie nicht durch denn Zoll. Sein Entgegenkommen ist mit seinem Zitat am besten beschrieben: „So the only solution for you is to get in time to the border of Korgas.“ Ich habe bereits unser Kapitulations-e-Mail geschrieben. Bevor ich es sende, kläre ich nochmals telefonisch ab, dass die Motorräder nicht mehr nach Bishkek geschickt werden. Der Agent meint, dass einmal mehr ein abgesagter Flug stattfindet und zwar morgen. Am selben Abend sind die Motorräder im Zoll. Die Erleichterung war gross, aber nun hängt alles vom Usbekistan Airways-Flug von Navoi nach Bishkek ab, sowie vom Zoll am Bishkeker Flughafen. Falls es nun nicht funktioniert, ist der Schaden noch grösser, wir verlieren die Anzahlung der Chinareise, wir brauchen noch einen weiteren Flug für die Motorräder und die Litauer können nicht einreisen.

T -2: Showdown. Die Motorräder landen pünktlich am Sonntagmorgen in Bishkek. Glücklicherweise arbeitet der Zoll auch am Sonntag. Nachdem wir ein Beschleunigungsgeld von 50$ an den Wachmann lachend abgelehnt hatten, kann Christian nach dem Mittagessen mit dem Prozessieren der Papiere loslegen und in diversen Büros Stempel einsammeln. Kurze Zeit später können wir unsere Motorräder wieder zusammenbauen. Da dies etwas länger dauert, kommen wir dann zu spät zu dem Zollbüro in einer anderen Peripherie der Stadt, da wo wir die Motorräder registrieren lassen sollen. Wir müssen die Motorräder da lassen und verlieren noch einen Tag. Nach unserer Erfahrung vom letzten Grenzeintritt, ist diese Registrierung nicht notwendig, werden aber ignoriert, daher ist die Stimmung sehr angespannt.

empfangskomitee 20130926 1343519847T -1: Wir fahren morgens früh zum Zollbüro und warten auf unsere Papiere. Da uns eine Frau bedient, geht es schnell und unkompliziert (diese scheinen weniger faul und korrupt zu sein). Das Ganze kam zum erliegen, als wir 4$ für die Registrierung zahlen sollten und wollten. Das ist nur mit kirgisischem Pass möglich, und ein hilfsbereiter Kirgise müsse eine Vollmacht haben, diese würden sie hier ausstellen, aber nur für Autos. Wir sind auf der suche nach Passierschein A38. Lustiger Geschichte Ende ist, dass die Registrierung nicht nötig ist und wir ohne zu zahlen gehen können. Nun liegen noch 600km vor uns, welche wir zur Hälfte in der Dunkelheit zurücklegen. In der Nacht zu fahren ist das eine, im Kasachischen Nachtverkehr das andere.

T 0: Wir treffen an der Grenze die 11-köpfige Gruppe aus Litauen. Sie sind mit zwei Jeeps und drei Motorrädern unterwegs, einer AfrikaTwin und zwei R1200GS. Nach dem kasachischen Zoll fahren wir 5km an einer beidseitig mit hohem Zaun abgesperrten Grenzstrasse entlang, bei der alle 50m eine Sicherheitskamera unser Ankommen dokumentiert. Am Ende stehen wir vor einem Gebäude mit chinesischer Flagge und werden von einem Kamerateam begrüsst. Wir haben es doch noch geschafft!