Mongolien - Монгол Улс Auf Abwegen

Ursprünglich war es nicht geplant, durch den mongolischen Staat zu reisen. Aber aufgrund ein paar Änderungen konnten wir doch durch die Grassteppe bis nach Ulaanbaatar reiten.

highway to ulaanbaatar 20130918 1441374626Als wir etwas später als geplant am Baikal angekommen waren, konnten wir nicht wie geplant durch die Region Tuva und den Altai zurück fahren. Da diese Route nun zu viel Zeit beanspruchen würde und die Straßenverhältnisse in dieser Region nicht vorhersehbar wären, würde dies unser russisches Einmonatsvisa überschreiten. Daher gab es zwei Möglichkeiten für die Weiterreise, die gleiche Strecke an der Transsib entlang zurück nach Kasachstan, was langweilig gewesen wäre oder Flucht nach vorne in die Mongolei und inklusive den Motorrädern zurück nach Bishkek fliegen. Der Entschluss stand schnell fest. Probleme sollte es auch keine geben, da wir über dreieinhalb Wochen Zeit hatten für den Transit von Ulaanbaator nach Bishkek.

wuestenschiffe 20130918 1449531278Nachdem ich noch vom russischen Grenzposten-Chef kurz befragt wurde, weil die Grenzposten-Dame meine vielen Visa verdächtig fand, konnte wir zum mongolischen Posten hinüber fahren. Als Erstes mussten wir mit den Motorrädern durch 10cm hohes Brackwasser fahren. Dafür bezahlten wir ein paar Rubel, da dies die offizielle Fahrzeugdesinfektion war. Noch nicht mal richtig abgestiegen, schlug uns vermeintliches zentralasiatisches Verhalten entgegen. Was sich aber schnell als mongolisches und damit noch extremeres herausstellte. Das mentale Niveau schien schlagartig abzufallen und die Prozesse waren nicht mehr erkennbar. Bei der Deklaration der Motorräder half uns dann eine sehr nette Dame von einem Schalter zum nächsten zum Abstempeln (Stempel auf den Papieren sind immer sehr wichtig, je mehr umso besser) und Registrieren der ausgefüllten Zettel für die Motorräder. Das geschah parallel, die Beamtin von Christian kontrollierte alles gewissenhaft, überprüfte sogar die Chassisnummer und gab irgend etwas am Computer ein. Daraus entnahm sie dann eine Nummer und schreib diese auf den Zettel, gefolgt von drei schönen Stempeln, während mein Beamter, ohne einmal auf den Zettel zu schauen, die drei Stempel drauf drückte und mich wegschickte. Erstmal im Land drin gabes die üblichen Geldwechsler, die wie Fliegen um einen herumtanzen und Geld wechseln wollen. Diese ignorierend, kauften wir uns erst einmal die obligatorische Versicherung.

offroad 20130918 2047349984Aus der Mongolei sind vor allem die nicht vorhandenen Strassen bekannt. Jedoch ist der Weg von der Grenze im Norden nach Ulaanbaatar komplett asphaltiert. Daher entschieden wir uns am zweiten Ta dazu, eine alternative Route zu nehmen und hatten damit das volle mongolische Feeling. Es ging vorbei an Wasserlöchern mit Kamel- und Pferdeherden, über Felder und Hügel und durch Flüsse. Unterwegs anzutreffen sind Schamanen und Mongolen bei der Motorradreparatur. Alles zusammen war es das perfekte Abenteuer. Nach einigen Stunden kamen wir dann in der Hauptstadt Ulaanbaatar an, etwas surreal, der viele Beton und Asphalt und der viele Verkehr in dem sonst leeren Land. Wir suchten Unterschlupf im Oasis, einem berühmten Hostel für Fernreisende. Da trafen wir dann auf viele andere Reisende mit Motorrad und Wohnmobil.

downtown ulaanbaatar 20130918 1488527735Zeit zum entspannen hatten wir aber noch nicht. Auch wenn wir gerne noch eine kleine Rundreise gemacht hätten, hatten wir beschlossen, so schnell wie möglich unsere Mopeds abflugbereit zu machen. Da man nie weiss, wie lange es dauern kann, bis diese in Bishkek ankommen. Obwohl von userem Freight Forwarder drei bis fünf Tage Transit angegeben wurde. Nachdem wir unsere Töffs etwas reinigen liessen (selbst durften wir nicht), machten wir uns auf zu Landbridge, unserer Forwarding Firma. Da warteten wir erst mal ein wenig auf unseren Agenten, der gerade vom Wochenende auf dem Lande zurück kam. Danach legten wir los und machten unsere Mopeds bereit, um sie in einem Holzkäfig einzusperren. Da der Flugpreis bis zu einem gewissen Masse vom Volumengewicht abhängt, sparen wir mit jedem Zentimeter einige Dollars. Abends hatten wir dann die finalen Masse für die Schreiner, welche die Box fertigen sollen. Dies sollte am nächsten Morgen um elf losgehen. Also waren wir um elf bereit. Als auch nach dem Mittagessen noch niemand da war, wurden wir angewiesen, die Stadt anzusehen. Denn die Schreiner würden jetzt gerade die Bretter vorbereiten und wir würden dann informiert, wenn es losgehen sollte.

Also sahen wir uns die Stadt an. Diese sah aus wie eine riesige, ewige Baustelle. Das Bemerkenswerteste sind die Hup- und Pfeifkonzerte der Autos und Verkehrspolizisten. Die Mongolen erreichen den unangefochtenen ersten Platz, was kreatives und nervendes Hupen angeht. Damit stellen sie Zentralasien in den Schatten.

suzuki im kaefig 20130918 1522281065Abends um sieben ging es dann doch noch los mit dem Crating, pünktlich zur Dämmerung. Die „Schreiner“ nagelten bereits als wir dazukamen. Jedoch von vorbereiteten Brettern war nichts zu erkennen. Unsere Anwesenheit beim Crating dabei zu sein erwies sich als unverzichtbar. Um elf war die Show vorbei und die Motorräder im Käfig bereit zum Abtransport, welcher für den folgenden Tag versprochen worden war. Am nächsten Tag wurden die Mopeds aber noch nicht abgeholt, weil der Herr Agent entgegen seinen Aussagen noch keine Flugbestätigung der Airline hatte. Nun gut, morgen ist auch noch ein Tag, noch hatten wir genügend Reservezeit. Am nächsten Tag war dann bereits unser Flug, da wir den schon früher gebucht hatten, da sonst die Preise um das Doppelte anstiegen. Auf Foren zum Thema Motorradversand heisst es: „Verlass nie das Land vor dem Moped“. Mit einem etwas schlechten Gefühl aber dem Wissen um genügend Zeit verliessen wir trotzdem Mongolien.

Wir flogen Richtung Bishkek, um dort die Motorräder in Empfang zu nehmen. Von da aus ist es dann nur noch ein kurzer Weg an die chinesische Grenze, wo wir auf eine Gruppe aus Litauen stossen und gemeinsam das Land auf dem Weg nach Südostasien durchqueren werden.