China - 中華人民共和國 Besuch bei Nicht-Chinesen

Bereits in Bangkok angekommen, sind nun Fotos von unserem Ritt quer durch die Chinesische Volksrepublik online. Reisen in einer, im Speziellen dieser, Gruppe, stellte sich als äußerst unangenehm heraus. Dies war die erste und letzte Reise in einem Land, in dem man sich nicht frei bewegen kann.

echtes fondue chinoise mit terence 20131102 1543304283Wir treffen unseren Guide Terence, der uns  vier Wochen lang begleiten wird. Er informiert uns über ein „Big Problem“. Einer der Litauer Fahrer hat abgesagt, daher steht ein Fahrzeug zu viel auf dem Zolldokument, welches am Vortag von den notwendigen 6 Beamten unterzeichnet worden ist. Wir gehen durch denn Zoll ohne Fahrzeuge, diese würden in ein „paar“ Tagen folgen. Erstmal erhalten wir keine Infos über den aktuellen Stand der Dinge. Es könnte aber bis zu einer Woche dauern, meint Terence, da die Papiere nicht so schnell und einfach geändert werden könnten. Daher wird Christian aktiv und verlangt vom Veranstalter Erklärung und Infos, denn schlimmstenfalls muss er umkehren und von Kasachstan aus nach Hause gehen. Wir erinnern uns wieder an den Tipp des Veranstalters, den er uns gegeben hatte, als wir noch in Bishkek auf unsere Motorräder warteten: „In these areas sometimes an incentive is required to make things happen.“ Erst zwei Tage des Wartens später gibt es Infos vom Veranstalter, nebst gegenseitigen Schuldzuweisungen seinerseits und der Litauer. Voraussichtlich würden morgen alle Papiere bereit sein und wir könnten weiter nach Urumqi, der regionalen Verwaltungsstadt, reiten. Zu unserem erstaunen war es dann auch so. Jedoch, nicht wie erwähnt Richtung Urumqi, fahren wir über 100km nach Süden in eine Provinzstadt zur Fahrzeugkontrolle und Führerscheinausgabe. Die Sehtests dafür waren dann binnen Sekunden erledigt und mit jeweils fünf Stempeln versehen.

duenen von dunhuang 20131102 1443402295Nun am vierten Tag nach der Einreise kann die Fahrt losgehen. Wir sind unterwegs durch die Xinjiang Provinz in Richtung Provinzhauptstadt Urumqi. Der Nordwesten kam uns dann sehr bekannt vor mit seinen Wüsten und Steppen. Hier lebt die Minorät der Uiguren, ein muslimisches Turkvolk, in dem einige Unruhe herrscht. Terence sagt „these People with the white huts“ seinen keine „Chinese like us“. Er mag sie nicht und meint sie seien „Troublemaker,“ dazu verstehe er nicht warum Sie die (Han-) Chinesen nicht mögen, denn diese würden hierher kommen und hart arbeiten um ihnen die Errungenschaften der Zivilisation zu bringen. Das erleben wir eindrucksvoll, als wir 100m über Boden auf dem Skyway quer durch die Hochhäuser von Urumqi fahren. In den ersten Tagen finden die chinesischen Nationalfeiertage statt, 1.3 Milliarden Chinesen haben Ferien und besuchen wie wir die Touristenattraktionen des Landes. Wir fragen uns, was sich der Veranstalter dabei gedacht hat. Wir besuchen Buddha-Höhlen und die Chinesische Mauer, beides UNESCO Welterbe und beides nicht mehr sehenswert. Die Höhlen wurden außen zubetoniert und die Mauer für Touristen nachgebaut. In Dunhuang lernen wir, dass die Chinesen den Kapitalismus perfektioniert haben und den Touristen sogar Eintritte in die Wüste verkaufen.

highway 20131102 2065363339China hat die bisher gigantischste Infrastruktur. Autobahnen sind alle neu, mindestens drei Spuren und geschmückt mit Wahnsinnsbrücken und Hochstraßen. Dazu gehören auch alle paar Kilometer Überwachungskameras, welche automatisiert alle Fahrzeuge abblitzen. Eine automatische Auswertung haben sie aber noch nicht. Die Millionenstädte, von welchen man die Namen noch nie gehört hat, haben mehrere Peripherie-Ringe und Subways sind pro Stadt etliche im Bau. Auf den Straßen sind Lastwagen unterwegs, die locker zwei Lastwagen europäischer Dimension aufladen könnten. Sie sind geladen und überladen mit Vieh, Baumaterial, Industrieanlagenteile, Windrad-Rotorblätter, Fahrzeugen und Vielem mehr. Wir fahren an genau so vielen Kohlekraftwerken vorbei wie an Baustellen für neue Kohlekraftwerken. Aber wir durchqueren auch unendliche Windfarmen und weiter im Süden sehen wir auch diverse Hydroanlagen. Die meisten der Mopeds und einige der Autos sind bereits mit Strom unterwegs, was der Luft in den Städten sicher nicht schadet. Unsere Töffs müssen wir jedoch mit Benzin tanken, und dies dürfen wir nur neben der Tankstelle mit dafür bereitgestellten Kanistern aus Angst vor Terroranschlägen. Auch dürfen wir offiziell nicht auf die Autobahnen, da dies für uns zu gefährlich seien. Je nach Provinz und Laune dürfen wir aber trotzdem auf die Autobahn.

essen - huhn 20131102 1134491290Das Essen in China ist großartig und schnell haben wir uns an die Stäbchen gewöhnt. Das Essen schmeckt immer so gut wie es qualitativ auch zu sein scheint, denn der Magen ist noch nie so stabil gewesen wie in diesem Monat. Nur nach einem üblicherweise scharfen Hot Pot, bei uns bekannt als Fondue Chinoise, gibt es kleinere Aussetzer. Neben den vielen leckeren Zutaten gibt es aber auch die lokalen Spezialitäten wie Hühnerköpfe- und füsse, Schweineköpfe- und füsse, Hirn, Herz und andere Innereien, Frösche oder Yak-Zungen. Die Bestellung ohne Guide ist nicht immer einfach, im Allgemeinen kommt man mit Englisch keinen Schritt weiter. Aber wir haben ein kleines Zeigebüchlein mit dem wir wenigstens erklären können, welches Tier wir denn essen wollen. Im Notfall ist auf dem Natel ein Foto mit dem chinesischen Schriftzug „Schwein Süss-Sauer“.

kloster bei langmusi 20131102 1189543987Wir fahren weiter Richtung Südosten und streifen das Tibetische Hochland nordöstlich. Die Chinesen haben immer noch Ferien und alle wollen ein Foto von oder noch besser mit uns. Alle haben sie die neusten Spiegelreflexkameras dabei, Zeuge des neuen Han-Chinesischen Mittelstandes, welcher, wie unser Guide auch, sich Güter wie Mittelklassewagen, Spiegelreflexkameras und Laptop leisten können. Auch hier in Tibet sehen wir ihre ökonomische Lernfähigkeit und sollten für einen Besuch an einem See Eintritt bezahlen. Auf der Straße hat es nun vermehrt Yaks, welche sich uns in den Weg stellen. Während wir diese im Pamir nicht gesehen haben, sind sie hier nun überall. Wir besuchen ein paar tibetische Kloster und genießen das gute Wetter. Währenddessen erzählt uns Terence die chinesischen Versionen der Geschichte. Es ist schwierig zwischen westlicher und chinesischer Propaganda durchzusehen. Jedenfalls ist Tibet jeher chinesisch, aber die Leute hier sind keine Chinesen, sondern Tibeter und Troublemaker, sagt er. Man sieht ihm wieder sein Unwohlsein an unter so vielen Nicht-Chinesen.

pandas beim fruehstueck 20131102 1461172870Wir verlassen nun das Plateau und widmen uns wieder wärmeren Gefilden. Wir kommen in die Provinz Sichuan. Bereits 100km vor der 10-Millionen-Provinzhauptstadt Chengdu sieht man die Mischung aus Smog und Dunst, welche uns nun für Tage begleitet. Auf der Fahrt dahin macht die Kupplung von Christian Probleme. Wir haben Glück, dass er noch bis ins Hotel fahren kann und ebenso, dass es in einer Großstadt und nicht im Hinterland passiert ist. Nach kurzer Lektüre meint Christian treffsicher, dass das Lager des Kupplungspilzes defekt ist. Neben dem obligatorischen Besuch bei den Pandas und Waschbären suchen wir eine Suzuki-Werkstatt. Christian erklärt dem Mechaniker, über den Guide, das Problem und dass wir die Kupplung öffnen müssten um nachzusehen. Der Mechaniker meint, dass wir falsches Motorenöl hätten, wir lächeln erstmal. Danach will er eine Probefahrt machen und fällt dabei um. Nun meint er, das Problem gefunden zu haben. Es sei die Kette, die zu Spannen sei, wir lachen ein zweites Mal. Um sein Gesicht zu wahren, darf er die Kette spannen, was er auch tut, aber krumm. Wir sind erzürnt. Wir wollen nun nur noch Öl kaufen und die Kupplung selbst öffnen, damit haben wir bereits Erfahrung seit Usbekistan. Die Kupplung geöffnet, sehen wir sofort, wie von Christian prophezeit, die Teile des defekten Lagers. Der Mechaniker hat nun begriffen und macht sich auf die Suche nach einem Ersatz. Direkten Ersatz gibt es keinen, aber im Basteln ist der Mechaniker gut. Unter strenger Kontrolle von Christian wird nun das neue Lager wieder eingebaut.

im gruenen 20131104 1557402524Nun geht es weiter auf den letzten Teil, quer durch die Provinz Yunan. Hier ist es bereits tropisch feucht, regnerisch und vor Allem grün. Wir fahren erstmals richtig abseits der großen neuen Straßen auf schlechten Off-Road Passagen. Den Litauern passt das gar nicht. Die Dörfer und die Bevölkerung sehen wir hier, so wie es wahrscheinlich vor zwanzig Jahren noch in ganz China war. Der Guide scheint wieder etwas verängstigt wegen der armen Bevölkerung. Diese Etappe war bei Weitem die spannendste. In Kunming warten wir nun noch einen Tag auf unsere Zollpapiere, welche wir für die Ausreise benötigen. Danach geht’s Richtung laotischer Grenze. Entlang an Teeplantagen, Bananenplantagen, Kautschuk-Monokulturen und übriggebliebenen Regenwäldern. Zwischendurch rennt ein Hund in voller Fahrt bei Christian in den Töff. Diesem macht es nichts, außer einem verbogenen Bremshebel, jedoch dürfte der Hund erhebliche Schmerzen gehabt haben. Mittlerweile sind wir im Grenzgebiet, es ist vermehrt die laotische Schrift zu sehen, eine weitere Nicht-Chinesen Minderheit. Genauso wie im ganzen Land, wo es Minderheiten gibt, ist alles zweisprachig. Alles ist groß in Chinesisch angeschrieben und darunter noch klein mit der lokalen Schrift bzw. Sprache. Die Ausreise geschieht sehr zügig, nach kurzem Warten. Endlich können wir nun die Reisegruppe verlassen und wieder frei unseren Weg gehen, nach Laos.