One night in Bangkok The final countdown

Nun ist es also passiert, zuviel Routine, zuwenig aufgepasst und es kam wie es kommen musste: Beide Blinker sind nach hinten verkrümmt, das Blinkerglas ist zerquetscht, der Tank eingebeult und der Schalthebel verbogen. Das ist nun also das Ende der Reise!

Aber wir haben ja schon andere Sachen erlebt und lassen uns dadurch doch nicht die gute Laune verderben. Ein grosser Hammer und eine Rolle Klebeband wirken ja bekanntlich Wunder. Vielleicht wird das Motorrad für den nächsten Lufttransport ja wieder ein bisschen besser gesichert, so dass es ohne Beschädigung ankommt.

fotoschooting im gruenen 20131103 1896953415Doch nun wollen wir zuerst mal erzählen, was nach China geschah. Endlich waren wir frei! Kein Gruppenzwang, einfach nur gemütlich weiter fahren, war angesagt. Die Reise durch China hatte uns gelehrt, dass es statt Gruppendynamik eigentlich korrekterweise Gruppenträgheit heissen sollte. In Nordlaos trafen wir gute Strassen an, wo eine Kurve der anderen folgte und wir herrlich durch die grüne Landschaft brausen konnten. Auch wenn Amos oft das Wort Primärwald benutzte, glaube ich, da war gar nichts mehr von Primärwald zu sehen. Viele in Reih und Glied stehende Kautschukbäume wechselten sich mit Bananenplantagen und Bambussträuchern ab. Dann wurde die Strasse zusehends schlechter und es war wieder einmal Staub fressen angesagt. Diesmal aber völlig entspannt und voller Freude!

Wir haben auch gelernt, wie man auf dem Fahrrad genügend Luftwiderstand erzeugt (Regenschirm), um so ins Schwitzen zu kommen, dass man ohne Schattenspender nicht auskommt. Drei schnelle thailändische Töfffahrer überholten uns unterwegs. Als wir sie einholten, waren sie gerade dabei, ein Motorrad zu reparieren. Die Kratzspuren erklärten dann auch, wieso vor jeder Kurve ein riesengrosses Warnsignal „Slow down“ steht. In Luang Prabang, der ehemaligen Hauptstadt, trafen wir auf den Mekong. Hier waren zum ersten Mal wieder Terroristen (Touristen) in grosser Anzahl anzutreffen und wenn einem ein Parkwächter nach Tausenden von Kilometern versucht Parkanweisungen zu geben, um danach noch Parkgebühren zu verlangen, ist es Zeit, das Weite zu suchen. Denn hier können Betrüger, Halsabschneider und anderes Gesindel nicht mehr weit weg sein. Wir genossen also die Weiterfahrt durch die wunderschöne, hügelige und dunstige Landschaft.

laos triumpfbogen 20131103 1491124128In Vientiane wollten wir uns ein Visum für Thailand besorgen. Dummerweise hatte aber genau an unserem Ankunftstag irgendein ehemaliger Machthaber Geburtstag. Am nächsten Tag war das Gedränge vor der Botschaft dementsprechend gross. Abends erprobten wir ein paar Tuktuk’s und kamen zum Schluss, dass diese durchaus für eine spätere Reise als Transportmittel in Frage kommen. In dieser Stadt war auch ein architektonisches Highlight anzutreffen. Die Laoten haben es tatsächlich geschafft, den Beton für eine Flugplatzpiste auf wenigen Quadratmetern in beträchtliche Höhen aufzutürmen.

Dann verliessen wir Laos, überquerten den Mekong und reisten nach Thailand ein. Dort war die Landschaft ziemlich flach und daher nicht sehr interessant. Mittlerweile waren die Töffhosen und -jacke zerrissen, Reisverschlüsse gingen von alleine auf, Druckknöpfe brachen ab, die Schuhe hatten Risse, die Rolle Klebeband war über die beiden Motorräder verteilt, die beiden Kupplungen waren überarbeitet worden, die Alukoffer mutieren langsam zu Stahlkoffern, der Lenker zeigte immer noch Richtung Mekka und nun brach am letzten Fahrtag noch der Zentralständer durch - das Ende war nahe!

chinatown in bangkok 20131103 2048188515In Bangkok war es dann Zeit, die letzten paar Aufgaben zu erledigen und die Töffmontur mit dem leichten Touristentenue zu tauschen. Jetzt da ich diesen Text schreibe, sitze ich schon wieder zu Hause in der Kälte. Nun ist es an der Zeit für einen letzten Rückblick von meiner Seite. Wenn ich die Fotos anschaue, sehe ich Sachen, die erst vor kurzem passiert sind, und doch ist es schon Vergangenheit und die einzelnen Fakten verblassen langsam. Die Reise von der Schweiz nach Bangkok dauerte sieben Monate, war rund dreiunddreissigtausend Kilometer lang und die Zeitverschiebung beträgt sechs Stunden. Und dann ist plötzlich alles vorbei, in ein paar Stunden Flug ist die Rückreise Geschichte.

Für mich war es eine lange Reise, andere meinten „you must be mad“ und für noch andere ist es nur so „eine Phase, die mal kommt und wieder geht“. Einige machen eine solche Reise, weil sie auf der Suche nach etwas sind. Ich war auch auf der Suche, es war nie so ganz klar nach was, aber ich habe immer gesucht, während der ganzen Reise. Ich wusste nie so recht, wie es denn aussehen würde und ob ich es jemals finden würde. Aber ich habe es gefunden, in letzter Minute, in Bangkok. Ich habe endlich gefunden, wonach ich so lange gesucht hatte. Ich fand einen neuen Sitzbezug für mein Motorrad. ;-)

the end 20131103 1596739130Wenn man so alleine im Motorradhelm sitzt, hat man genügend Zeit zum Nachdenken und mir kamen immer wieder irgendwelche Liedtexte in den Sinn. Zuerst war fast jeden Morgen bei der Abfahrt „on the road again“ angesagt. Danach kam dann langsam aber sicher das Stück „one night in Bangkok“ zum Zug. Wenn es dann ein bisschen schwieriger war, lief in meinem Kopf eher „highway to hell“ oder wenn’s dann mit dem Zeitplan schlecht lief, drückte ab und zu auch der Galgenhumor mit „I’m coming home for Christmas“ durch. Aber mit „the show must go on“ ging es dann doch irgendwie weiter. Und einige Momente liessen dann auch den Ausdruck „Bananerepublik“ aufleben. In Thailand war dann „the final countdown“ und für mich „this is the end“ angesagt.

Zum Schluss noch ein paar Punkte die uns in der Schweiz oder sonst wo fehlen. Da ist mal der türkische Schuhputzer. Dort wird das Schuhputzen zum grossen Event und auch die Lebensdauer der Schuhe erhöht sich entsprechend. Der Open-air Vergnügungspark (ohne Fahrverbot) der iranischen Wüste fehlt uns in der Schweiz definitiv. Nach so viel Wüste ist einem dann auch bewusst, wie toll der sibirische Wald ist, der einem nach langem endlich wieder mit Brennholz für ein anständiges Grillfeuer versorgt. Kulinarisch und aus Gründen der erschwerten Kommunikationsbedingungen ist das chinesische Pork Sweet and Sour definitiv der Retter in der Not. Das Tuk Tuk ist bestimmt eine Klasse für sich und sollte nirgends fehlen.

„it’s time to say goodbye“

Wiimer ja wüsse: „mir si ja schliesslech nid zum Spass hie“ u „schlimmer goht’s immer“ u fauses mau mitem Termin sött äng wärde heimer o glehrt: „the only solution for you is to be on time“!

Mir hei e super Zit zäme gha. Beid si chli ruehigi Type, u de heimer üs ab und zue em Abe bim Fürabebier chli chönne aaschwiige u jede ish ds friede gsi daser sini Rueh het gha. O bide Restaurant simer is immer rächt schnäu einig gsi: „mir ish gliich“, „ja, mir ish o gliich“. Die wiude Tier heimer üs o guet ufteut, i hami um die europäische wiude Tier kümmeret, u är sech um die räshtleche wiude Tier. Und jitz ishes Zit das jede si „eiget Wääg“ geit, da heimer ja scho e chline Vorgschmack em Baikal gha… ;-)

Its bini gspannt ufe nöchscht Reiseabschnitt woni leider numme no aus Beobachter cha begleite.

Danke und „allzeit gute Fahrt“!!!