Vietnam - Việt Nam Auf Land-, Wasser- und Luftwegen

Nach fünf Monaten des Wartens durfte ich mich in den Flieger setzen und in Việt Nam endlich wieder meinen Weltreisenden sehen.

downtown ha noi 20140111 1663191964Wir nisteten uns in der schmucken Altstadt in Hà Nội  ein und genossen das Herumschlendern im "Viertel der 36 Gassen". Jede Gasse war nach dem dort ausgeübten Handwerk benannt worden und es gab entsprechend viel zu sehen in den geschäftigen Strassen. Wir lernten, uns sicher durch den dichten Verkehr hindurch zu schlängeln und bemerkten: Scooter die hupen, bremsen doch. Die Besichtigung des imposanten Mausoleums, in dem Viele dem Befreier Việt Nams Ho Chi Minh huldigen, zeigte uns die grosse Bewunderung des Volkes für den verstorbenen Präsidenten. Ebenso führten uns unsere langen Spaziergänge zum Nachtmarkt und zum Hoan-Kiem-See, wo wir leider vergeblich nach der sagenumwobenen Riesenschildkröte Ausschau hielten.

halong bucht als wallpaper 20140111 1011705692Am 24. Dezember ging es früh morgens los zur Hạ Long Bucht, wo wir die Weihnachtstage fernab von traditionellen Guetzli und Mandarindli verbringen sollten. Zuerst mussten wir jedoch eine vierstündige und teils sehr holprige Fahrt in einem Kleinbus hinter uns bringen. Doch wir sahen schon vom Festland aus: die Fahrt hatte sich auf alle Fälle gelohnt! Die Hạ Long Bucht, der Legende nach durch den Schwanz eines Drachens ausgehöhlt, beeindruckt durch unzählige Karstfelsen in verschiedenesten Formen und Grössen. Mit einem kleinen Beiboot wurden wir zur Treasure Junk gefahren, unserem zuhause für die nächsten Nächte. Als Weihnachtsgeschenk quartierten wir uns in der Suite ein, wo man sogar aus dem Bett die atemberaubende Landschaft sehen konnte. Am Nachmittag konnten wir die Felsen aus der Nähe betrachten, als wir uns in einer Kleingruppe auf eine Kayaktour begaben. Ein Bad im grünblauen Wasser durfte dabei natürlich nicht fehlen, auch wenn es anfangs etwas kühl war.

unsere treasure junk 20140111 2091240738An diesem Abend war das Schiff voll, schliesslich gab es ein tolles Barbeque-Weihnachtsdinner. Die exzessive und wilde Weihnachtsdekoration blinkte stetig und wirkte sehr fremd an diesem Ort, doch es war auf jeden Fall ein spannendes und anderes Weihnachtsfest. Am nächsten Tag machten wir eine längere Kayaktour, fernab der Touristenströmen, wie es der Reiseanbieter Handspan versprochen hatte. Nur zu siebt glitten wir bei strahlendem Sonnenschein durch die abgelegenen und friedlichen Buchten und erforschten dabei auch zwei Höhlen. Anschliessend erholten wir uns auf dem Sonnendeck vom Paddeln und von der Weihnachtsfeier des vorherigen Abends. An unserem letzten Tag besuchten wir ein Floating Village, ein schwimmendes Dorf mitten in der Bucht, wo sich das ganze Leben um die Fischerei und Perlenzucht dreht und der Alltag in den schwimmenden Häusern bestritten wird - sehr faszinierend! Doch nun neigte sich unsere Rundfahrt leider dem Ende zu und schweren Herzens kehrten wir ans Festland zurück. Für mich stand da bereits fest: Die wunderschöne Hạ Long Bucht war (m)ein Vietnam-Highlight!

hue bei nacht 20140111 1363079031Zurück in Hà Nội nahmen wir den Nachtzug nach Huế, der letzten Kaisertstadt. Wir bezogen zwei Liegen in einem Viererabteil, welches denjenigen der SBB in nichts nachstand und waren dann auch sehr überrascht, als der Zug sich, auch ganz eidgenössisch, punkt 19.00 Uhr in Bewegung setzte. In der Nacht wurde das bequeme Liegen leider durch einige sehr heftige Bremsmanöver, die sich eher wie Kollisionen anfühlten, unterbrochen. Ich war doch sehr froh darüber, in einer der unteren Liegen zu sein. "Zeitnah" kamen wir am nächsten Morgen in Huế an, wo wir ausgiebig frühstückten und anschliessend den Markt besuchten. Das Wetter war in Huế leider ständig trüb und kühl, was nicht zu grossen Erkundungen anspornte. Das Essen, welches in dieser Stadt heute noch den kaiserlichen Standards entsprechen sollte, wollten wir aber doch noch finden und wurden nicht enttäuscht vom Restaurant Confetti, das uns köstliche Ente und Meeresfrüchte auftischte. Am nächsten Tag besuchten wir die Zitadelle der ehemaligen Kaiserstadt und planten unsere Weiterreise nach Süden.

reisebuchdeckellady 20140111 1944075016Wir beschlossen, uns von einem Auto über den Wolkenpass nach Hội An fahren zu lassen. Leider tat der Pass seinem Namen alle Ehre, weshalb wir nichts von der Aussicht sahen. Aber in Hội An wurden wir doch noch von freundlicherem Wetter begrüsst und genossen das Flanieren und Shoppen in den Gassen, assen leckeres Essen im Food Court der Markthalle und fuhren in einem typischen Cyclo-Taxi. Die Altstadt Hội Ans, abends schön beleuchtet, soll die Einzige sein, welche während des Amerikanischen Kriges nicht zerstört wurde und zählt, genau wie die Hạ Long Bucht, zu den UNESCO-Weltkulturerben. Obwohl sich dort viele Touristen tummelten, verteilten sich die Ströme ziemlich gut in den zahlreichen Strassen, was den Aufenthalt in Hội An zu einer sehr gemütlichen Zeit machte. 

mui ne fischerdorf 20140111 1566643424Da Việt Nam ein sehr langgezogenes Land ist, überflogen wir die nächste grosse Etappe. Von Đà Nẵng, der Stadt mit der millionenteueren Drachenbrücke, flogen wir nach Nha Trang, von wo aus wir nach Mũi Né gefahren wurden. Endlich waren wir in der Wärme! Mũi Né ist ein langgezogenes Dorf am Meer, wo sich viele Hotels aneinanderreihen. Trotzdem war es  gemütlich und überschaulich. Wir schlenderten an vielen Aquarien voller Fische, Schnecken, Krebse, Kalmare, Aale, Schildkröten, Frösche und Muscheln vorbei, welche einem nach Wunsch gleich auf den Grill gelegt würden und assen, ganz gekonnt, Kokosnüsse auf der Strasse. So endete der letzte Tag des Jahres, mit einem Silvester-Barbeque-Dinner, das trotz Bärenhunger nicht zu bewältigen war. Nach einigen Drinks und einem flächendeckenden Stromausfall stiessen wir auf der Veranda unseres Hotelzimmers auf das neue Jahr an: Happy new year!! (Wie uns alle Vietnamesen gerne und immer wieder zuriefen). Am nächsten Tag mieteten wir einen Scooter und Amos fuhr uns gekonnt (trotz des ungewohnt kleinen und PS-schwachen Gefährtes) zu den roten Sanddünen, einige Kilometer ausserhalb des Dorfes. Wir stapften durch den heissen Sand in die Höhe, von wo aus wir eine tolle Aussicht aufs Meer hatten. Danach suchten wir uns einen schönen Strandabschnitt und kühlten uns in den hohen und teils schmerzhaft starke peitschenden Wellen ab.

die holzklasse 20140111 1249502236Nun stand das Ziel unserer Reise bevor: Ho Chi Minh City, das frühere Sài Gòn, das nach dem grossen Präsidenten umbenannt worden war. Wir fuhren vier Stunden im Zug in der Holzklasse nach HCMC. Die Holzbänke darin sahen aus, als hätte man sie vom Bahnsteig geholt und in den Zugwaggon gestellt. Doch die Reise war nicht unbequem, die Ventilatoren an der Decke und die offenen Fenster sorgten für aushaltbare Temperaturen und der Zug kam nur mit geringer Verspätung in HCMC an, obwohl er bereits seit über 24 Stunden unterwegs war - beeindruckend! Die beiden älteren Damen, die uns gegenüber sassen und unsere mangelnden Vietnamesischkenntnisse lustig fanden, trugen ihren Teil zur Unterhaltung bei.

downtown sai gon ii 20140111 1115134995Von Ho Chi Minh City sah ich leider nicht viel. Ein kleiner Grippeschub legte mich ins Bett, weshalb wir nur an unserem letzten Tag ein wenig von dieser modernen Grossstadt zu sehen bekamen. Wir besuchten das "War Remnants Museum", das vor Allem den Amerikanischen Krieg (bei uns bekannt als Vietnamkrieg), thematisierte. Es war eindrücklich, jedoch waren einige Bilder nicht einfach anzusehen, was mich dazu bewog, den "Auswirkungen von Agent Orange"-Raum auszulassen. Ich kam wieder einmal zur Erkenntnis, dass keine Ideologie oder Religion dieser Welt auch nur den Hauch einer Chance hat, Kriege und die dazugehörige Trauer zu legitimieren. Nach den eher beschaulicheren Orten war mir HCMC fast schon zu hektisch und globalisiert. Und so endeten unsere Ferien, die Zeit war schnell vergangen. Am Flughafen verabschiedeten wir uns. Amos flog wieder in den Norden, um in Laos mit dem Motorrad weiter zu reisen, und ich flog wieder in den europäischen Winter zurück. Für einen allfälligen nächsten Besuch in Việt Nam hätten wir schon einige Pläne...