Timor Leste Alles muss sauber sein

Meine Route nach Down Under bringt mich nun auf den letzten südöstlichen Zipfel Asiens, den Ostteil der Ostinsel, die Demokratische Republik Timor-Leste, bei uns auch als Osttimor bekannt.

am strand 20140801 1319114142Wie schon auf der indonesischen Seite geht hier am Zoll alles reibungslos vonstatten. Innerhalb einer halben Stunde habe ich alle Stempel und Registrierungen hinter mir und es kann los gehen nach Dili, der Hauptstadt. Das ist nicht selbstverständlich, da die beiden Teile auf der „Ostinsel“, wie Timor an sich heisst, seit Jahrhunderten im Konflikt sind. Zu Zeiten der Kolonialisierung war die Insel zwischen holländisch Ostindien im Westen und den Portugiesen im Osten geteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Westen zu Indonesien und der Osten erklärte sich von Portugal unabhängig. Neun Tage später besetzten die Indonesier, mit freundlicher US-Genehmigung, den Ostteil. Vor etwas mehr als zehn Jahren wurde Osttimor, nach blutigen Jahrzenten, erneut unabhängig. Zurück bleibt ein Land mit nahezu inexistenter Infrastruktur.

bergtransport 20140801 1563167880Daher sind die gut 100km Strasse entlang der Nordküste nach Dili grösstenteils im Bau. In Dili angekommen gibt es einen kleinen Kulturschock. Die Holz- und Bambushüttchen von unterwegs weichen Betonklötzen und riesigen Hotels. Die Strassen sind voll mit schicken, neuen weissen UN oder NGO Offroad-Pickups, die hier ihr Gutes zu tun versuchen. Durch die vielen Expats sind die Preise hier unverschämt hoch für Unterkunft und Verpflegung. Nachdem ich mich mit Benzin und Essen versorgt habe, mache ich mich auf den Weg an die Südküste. Die Strassen über den Bergkamm sind zum Teil so zerfallen, dass es nur langsam vorwärtsgeht. Es sind die schlechtesten Strassen auf der gesamten Reise bisher. Aber nicht schlecht genug, dass nicht Lastwagen mit Menschen gefüllt darüber holpern würden.

bergdorf iii 20140801 1322315390Nach der Durchquerung von einigen Bergdörfchen komme ich im Süden bei Suai an. Da übernachte ich in einem der zwei Hotels. Abendessen gibt es nur in der Kantine der chinesischen Expats. Suai soll einmal das Erdölzentrum Osttimors werden, denn hier in der Timorsee zwischen Timor und Australien soll es jede Menge davon geben. Nur erkennt man neben ein paar alter verschlossener Ölquellen vom Ölboom noch nichts. Obwohl Australien und Indonesien vor der Unabhängigkeit das Ölfeld gleichmässig aufteilen wollten, will Australien das Öl nun für sich. Damit würden nur noch die Chinesen den Timoresen helfen, die wohl an den chinesischen Bedingungen nicht besonders Gefallen finden würden.

zurueck nach baucau 20140801 1990100581Am nächsten Tag geht die Rundfahrt weiter der Südküste entlang. Die Strassen sind nach wie vor extrem schlecht. Oft sind kleine Baustellen und metertiefe Wasserlöcher zu umfahren. Ansonsten ist es sehr schön am Meer entlang mit den Bergen im Hintergrund. Krokodile soll es hier auch geben, jedoch sehe ich keine. Bald schon geht es wieder über die Berge zurück an die Nordküste nach Baucau. Noch eine kurze Übernachtung in einem Kloster, in welchem geschäftstüchtige Nonnen Zimmer an Touristen vermieten. Denn die Hotelpreise hier sind ebenfalls unverschämt teuer. Am nächsten Tag komme ich in Dili an und mache mich auf die Suche nach einem geeigneten Hotel für die nächsten zwei Wochen. Ich benötige eines mit etwas Platz im Hinterhof, um meinen Töff zu reinigen und bei den meisten kann man Langzeitmieten aushandeln, damit kann man die Kosten fast halbieren. Anschliessend feiere ich das Ende von Phase II mit einem portugiesischen Wein und Chorizo.

rumpf 20140801 1855484407Vor der Reinigung mache ich noch kurz Ölwechsel, denn ganz unverhofft finde ich einen Händler mit gutem Motorrad Motorenöl. Nach einer kurzen Dusche bei der Strassenwäscherei kann das grosse Putzen beginnen. Denn um durch die Australische Quarantäne durchzukommen, dürfen sich kein Dreck, keine Pollen und keine Samen mehr am Gefährt befinden. Da es angeblich eine sehr strenge Kontrolle geben soll, schraube ich das ganze Motorrad bis auf Rahmen und Motor auseinander. Der erste Tag, das Auseinanderschrauben, ist noch ganz spannend. Der asiatische Staub und Dreck ist überall. Ein paar Mängel konnte ich aber so finden, welche sonst verborgen geblieben wären. Die Aufhängung des hinteren Federbeins ist gebogen, die Aufhängung des Auslasskrümmers gebrochen und eine der Auslasskrümmerflansch Schrauben abgebrochen. Das Federbein hält hoffentlich noch bis Sydney. Die gebrochene Schraube melde ich bei BMW in Darwin zur Reparatur an und die Aufhängung der Auslasskrümmers lasse ich nebenan neu schweissen. Die restlichen neun Tage reinige ich jedes einzelne Teil und baue es wieder ans Moped ran. Das ist bisher das Nervenaufreibendste auf der Reise, denn der Dreck sitzt tief in jeder Ecke.

einladen bei toll 20140801 2008984968Schlussendlich kann ich mein Motorrad bei der Transportfirma Toll abgeben und im Container fest binden. Dabei treffe ich auch noch Oli und Charlie aus England, welche ihre AfricaTwin ebenfalls fabrikneu geputzt und nun verladen haben. Sie fliegen bereits morgen nach Darwin, um auf das Motorrad zu warten. Das Schiff hat zwar einen festen Fahrplan, jedoch wird der nie eingehalten und die Transportzeit kann dann zwischen einer und acht Wochen betragen. Eine lange Zeit, um in Darwin fest zu sitzen und auf das Moped zu warten. Daher bin ich ganz froh, nun zwei Monate in Kanada mit Claudia Ferien zu machen, während Toll sich um mein Moped kümmert. Zwei Tage später geht es los und ich verlasse definitiv Asien. Die Reise führt von Dili einmal um die halbe Welt über den Pazifik nach Vancouver. Erste Station ist das altbekannte Singapur, wo ich Carsten nochmal treffe, da ich einen Tag Zwischenstopp habe. Danach fliege ich über Shanghai nach Vancouver, um am nächsten Tag Claudia in Empfang zu nehmen.