Singapore

Unverhofft war ich zu einer Pause vom Schweizer Winter gekommen und verbrachte mit dem Weltreisenden eine entspannte Woche im Stadt-Staat Singapur.

singapur by night 20140225 1991690720Nach der Besänftigung einer streng dreinschauenden Beamtin, welche die mir unbekannte Unterkunft wissen musste, durfte ich  einreisen und freute mich sehr, meinen Weltreisenden unter den Wartenden zu entdecken. So nahe am Äquator spürte ich die Wärme, welche uns konstant  begleiten würde, schon auf dem Weg zur Metro. In der Metro selbst hingegen herrschte, wie in allen Gebäuden, öffentlichen Verkehrsmitteln und sogar im Tempel, kühles Klima frisch aus der Klimaanlage. Dies führte dazu, dass ich die ganze Woche einen Schal mit mir rum trug. In der Metro sah ich auch das erste von vielen Verbot-, und Gebotesschildern, für die Singapur berühmt ist: "Do not drink in the train". Da ich bereits illegalerweise Kaugummis ins Land rein geschmuggelt hatte, hielt ich mich also an das Verbot.

im hindutempel 20140225 1044962512Die ersten Tage logierten wir in Little India. Wie der Name sagt, leben dort vor Allem Inder (und Tamilen und Bangladeshi und Pakistani). Wir schlenderten durch die Strassen, besichtigten einen Hindutempel und das vollgestopfte Mustafa Einkaufshaus und besuchten unser erstes Hawker Centre. Hawker Centres sind Hallen mit Essensständen, welche die staatlich kontrollierten Versionen von früheren und mittlerweile abgeschafften Strassenständen sind. Es gibt strenge (Hygiene-)Vorschriften, klar deklarierte Preise, Tische und Bänke, welche abgeräumt und geputzt werden, und sogar die Hände kann man in öffentlichen Waschbecken waschen. Das Essen ist grandios und sehr günstig, doch der Flair von Strassenständen und -märkten, den man aus anderen asiatischen Ländern kennt, ist wenig spürbar.

die pelikane 20140225 1097104673Wir machten unseren ersten Ausflug in den Jurong Bird Park, wo sich, neben den Pinguinen, viele bunte indigene Vögel tummeln. Das Wetter meinte es gut mit uns, der Himmel war bedeckt. Natürlich kommt man auch so ins Schwitzen, wenn man wie wir den Park zu Fuss erkundigt und sich nicht nur mit dem Park-Tram kutschieren lässt, doch es hätte schlimmer sein können. Am gleichen Abend gingen unsere tierischen Begegnungen im Night Safari weiter. Dort liess eine lange Schlangen von Wartenden nichts Gutes erahnen. Aber als wir auch hier zu Fuss auf den Pfaden die Tiergehege besuchten, war es schön angenehm und ruhig. Die meisten Leuten machten nämlich nur die 40-minütige Tour mit dem Tram, weshalb ihnen der waldähnliche Park und auch einige Tiere verborgen blieben. So flogen uns beispielsweise Fledermäuse um die Köpfe und wir konnten aus nächster Nähe die Segelfähigkeiten des "flying squirrel" beobachten. Am eindrücklichsten waren aber die Löwen und/oder Tiger, wir konnten uns diesbezüglich nicht einigen.
Für die zweite Hälfte unserer Ferienwoche wechselten wir in ein Hotel im Herzen der City, das uns einen tollen Blick auf das Marina Bay Sands Hotel bot, das Hotel mit dem Schiff auf dem Dach. Wir liessen uns natürlich die Chance, die Stadt von oben zu sehen, nicht entgehen und wurden mit einer tollen Aussicht belohnt.

famous amos 20140225 2007449925Dem Nationalsport Sinpgapurs, einkaufen, kann überall in unzähligen Einkaufszentren gefrönt werden. Es gibt alles, was das Herz begehrt. Vor Allem in der Einkaufsmeile Orchard Road reiht sich ein Laden an den nächsten, wobei in einigen Einkaufsplazas die Billigläden in den Kellergeschossen sind, damit Luis, Calvin und Co. die besseren Plätze besetzen können. Wir liessen uns nicht vom Shopping-Fieber anstecken, sondern genossen den Hotelpool und gönnten uns ein tolles Abendessen im 33.Stock des Financial Towers, wo man zum im Haus gebrauten Bier eine einmalige Aussicht auf die Marina Bay bekommt. Am nächsten Tag wollten wir wieder etwas Abstand zur Metropole gewinnen und auf Sentosa Island auf Naturwegen etwas Ruhe suchen. Die fanden wir dann auch, denn anscheinend sind die Attraktionen, bei denen man gehen muss und kein Foto vor einem green screen machen kann, nicht so angesagt. Aber die Wege waren alle asphaltiert, also wenig authentisch. Am Strand entlang, der mit seinen importierten indonesischen Palmen auch eher künstlich wirkt, spazierten wir zurück zum Zentrum Sentosas, was einen stark an den Europapark mit vielen Attraktionen, Touristenläden und musikalischer Beschallung erinnert. Überall gibt es Rolltreppen, alles war voller grosser Plakate und Schilder. Trotzdem besuchten wir das S.E.A. Aquarium, was sehr schön wäre, wären da nicht so viele laute Chinesen, die trotz vieler Warnschilder den Blitz ihrer Kameras nicht auszuschalten vermochten.

keep clean 20140225 1724588422Natürlich durfte ein Besuch in Chinatown nicht fehlen. Wir kauften chinesische Kochutensilien ein, assen fantastisches Essen und besuchten einen buddhistischen Tempel. Ich fand es enttäuschend, wie auch dieser von A bis Z strukturiert, klimatisiert und mit Lift und Toiletten ausgestattet war.

Im Bukit Timah Nature Reserve fanden wir dann doch einen schönen Fleck Natur. Abgesehen vom Hauptweg ging man auf den Nebenwegen tatsächlich auf Naturboden und musste ohne Rolltreppen Hügel bezwingen. Zwar gab es auch dort Zäune und Warnschilder, aber man findet doch ein Stück Dschungel in Nähe zur City, was sehr schön ist. Wir hatten zum Schluss noch Glück, als wir einer Gruppe von kleinen Affen begegneten, die in unserer Nähe kletterten, rauften oder frassen. Der Ausflug ins Nature Reserve war ein schönes Kontrastprogramm zur Stadt, die mit ihren Regeln und Schildern zwar gut funktioniert, sauber und ordentlich ist, jedoch auch an Eigenständigkeit und Identität einbüsst. in der mrt mit den neuen heidenaus 20140225 1738348130Das Kneipenviertel wurde als solches konzipiert, in Chinatown gibt es nur Souvenirläden, und das Symbol der Stadt, der Merlion, wurde von der Tourismuskommission erfunden. Wo blieben die Spuren der Entwicklung und der Vergangenheit? Es fehlten mir absolut die Überbleibsel der Geschichte, des Prozesses, der zu dieser heutigen Metropole geführt hat. Und dies liegt nicht allein daran, dass Singapur ein junger Staat ist. Unzählige Schilder sagen einem, was zu tun ist. Alles ist geregelt, alle beachten Ampeln, Bodenmarkierungen sagen einem sogar, wie man in die Metro einsteigen soll. "Pedestrians use crossing" - wird einem schon fast befohlen. "Do not litter" - ist definitiv eine Warnung, denn sonst drohen grosse Geldstrafen. Sogar zur Benutzung der Toilette gibt es Anweisungen. Die Ferienwoche war super, man kann viel Vielseitiges unternehmen, schlendern und geniessen, und sich unkompliziert in der Stadt bewegen. Doch dieser andere Teil Singapurs, diese Maschinerie mit polierter Oberfläche, wirkt auch sehr seltsam. Nun freue ich mich sehr, sehr, sehr auf meinen nächsten Besuch in meinem geliebten Neuseeland!