New Zealand - Aotearoa Land der langen, weissen Wolke

Zehn Jahre nach meinem Austauschjahr machte ich mich wieder auf den langen Weg ans andere Ende der Welt. Aber wie damals schon hat sich die Reise mehr als gelohnt!

mount maunganui  20140419 1513325413Mein Weltreisender holte mich mit unserer Mietlimousine in Auckland ab und dann ging unser Roadtrip los! In Thames besorgten wir uns ein erstes typisches Kiwi-Mahl in Form von Fish&Chips und erlebten der ersten schönen Sonnenuntergang. Am nächsten Tag fuhren wir nach Tauranga, wo wir zwei Nächte bei meiner ehemaligen Gastfamilie übernachten durften. Die Grosseltern nahmen sich am nächsten Tag Zeit für uns und zeigten uns ihre riesige Farm in den grünen Kaimai Hügeln, in unmittelbarer Nähe zum Drehort von Hobbiton in Mittelerde. Es war schön, wieder diese spontane, ungezwungene Art der Kiwis zu erleben. Bei strahlendem Sonnenschein erklommen wir dann auch noch den Mount Maunganui und genossen die Aussicht auf den endlosen Pazifik.

tongariro national park i 20140419 1737142648Als nächstes ging es in Richtung Süden weiter, wo wir, wieder bei schönstem Wetter, eine Whitewater Rafting Tour durch grüne Wälder machten und unsere erste Zeltübernachtung auf einer verlassenen Lichtung hatten. Am nächsten Tag folgte eine Wanderung im Tongariro National Park. Am Ende der Wanderung waren wir müde, doch die Aussicht auf die Vulkane, Berge und die weiten Landschaften waren die Anstrengung wert. Aber das Highlight war auch hier ein Element aus den Herr-der-Ringe-Filmen: Mount Doom. Die letzte Station auf der Nordinsel war die Hauptstadt Wellington, von wo aus wir mit der Fähre den Cook Strait überquerten.

zeltplatz und aoraki 20140419 2014295775Auf der Südinsel kann man verschiedene Tiere in freier Wildbahn beobachten, so sahen auch wir Seehunde, die sich auf Felsen entlang der Küste ausruhten oder im Wasser tummelten. Unser nächstes Ziel, Kaikoura, ist jedoch für das Beobachten viel grösserer Tiere berühmt: Wale. Da sich kaum zwei Kilometer vor der Küste ein Tiefseecanyon befindet, finden sich in diesen Gewässern das ganze Jahr durch verschiedene Wale und Delfine. Ein Pottwal beehrte uns zwei Mal mit seiner Anwesenheit, als er für seine langen Tauchgänge Luft holte. Da man die meiste Zeit nur einen Teil des Rückens sieht, kann man sich die Grösse dieser Tiere erst vorstellen, wenn die Schwanzflosse vor dem Abtauchen über der Wasseroberfläche erscheint. Ein lustiger Delfinschwarm begleitete uns noch eine Weile lang und machte spektakuläre Sprünge um unseren Katamaran. Von den Tiefen Kaikoura’s Küsten her fuhren wir weiter durch weite Ebenen in die Höhen der Southern Alps. Also erlebten wir alle Perlen, die Neuseelands Landschaft zu bieten hat, in einem Tag. Wir fanden am Lake Pukaki einen tollen Zeltplatz ganz für uns alleine und blieben gleich zwei Tage dort, da es uns so gut gefiel. Wir kochten am Feuer, badeten im See, lasen in der Sonne und als Plus hatten wir ständig das atemberaubende Bergpanorama und den Mount Cook, den höchsten Berg, vor uns.

Weiter in Richtung Süden ging es dann wieder zurück zur Küste, wo wir die nächsten Tiere sehen konnten: Pinguine. Die Little Blue Penguins sind mit ihren 30cm Körpergrösse die kleinste Pinguinart. Sie kommen abends in Gruppen, Rafts genannt, zu ihren Brutplätzen zurück, was ein witziges Spektakel abgibt, wenn sie gegen starke Wellen ankämpfen und trotz Rückschlägen irgendwann an Land hüpfen.

yellow eyed penguin ii 20140419 1673851162In Dunedin, einer grossen Stadt im Süden, verbrachten wir anschliessend ein erholsames Wochenende. Die perfekte Einstimmung dafür war die Besichtigung der Speight’s Brauerei, einer der ältesten und renommiertesten Brauereien des Landes. Wir konnten uns nach der Führung selbstständig durch das vielseitige Angebot zapfen und assen dann im dazugehörigen Restaurant ein leckeres Abendessen. Amos war so angetan von den fantastischen Spare Ribs, dass wir am nächsten Abend gleich nochmals zurückkehrten. Auf der Otago Peninsula sahen wir noch eine andere Pinguinart, die Yelloweyed Penguins, aus nächster Nähe. Die Pinguine mit dem gelben Streifen um die Augen waren in der Zeit jedoch nicht sehr aktiv, da sie sich gerade in der Mauser befinden. Sie fressen sich vorher einen Vorrat an und sitzen oder liegen dann während vier Woche an Ort und Stelle.

kayaken im fiordland 20140419 1808513476Der Südküste entlang ging es dann weiter zur Westküste, ins Fiordland. In frühen Zeiten schnitten Gletscher in dieser Region in die hohen Berge ein und schliffen sie ab. So entstanden Täler, die mit Meerwasser überflutet wurden und die europäischen Siedler unweigerlich an die Fjorde zu Hause erinnert haben mussten. Nach unserer in Vietnam geweckten Freude am Kayaken mussten natürlich unbedingt im Milford Sound, dem berühmtesten Fjord, auf eine Kayaktour gehen und die steilaufragenden Felswände aus der Nähe anschauen. Wunderschön! Einzig die Sandflies, Plageviecher deren Stiche höllisch jucken, waren störend. Ebenfalls im Fiordland taten wir unseren Beitrag zum Schutz der örtlichen Flora und Fauna und überfuhren ein Opossum. Dies tönt brutaler, als es ist, auch wenn das Ereignis mich ziemlich erschreckte. Oppossums wurden, wie so viele andere Schädlinge, in der Anfangszeit der damaligen britischen Kolonie nach Neuseeland gebracht und haben in der fremden Umgebung viel Schaden angerichtet. Sie fressen Bäume kahl und sind eine grosse Gefahr für die Kiwivögel, deren Überleben nur durch Schutzprogramme gewährleistet werden kann. Daher wird dem Opossumüberfahren als inoffiziellem Nationalsport mit grosser Lust gefrönt und als Naturschutzmassnahme angepriesen.

unser bungy-ort 20140419 1298366832Nach dem friedlichen Nationalpark ging es als Kontrastprogramm nach Queenstown, der Adrenalin- und Tourismushauptstadt Neuseelands. Dort reiht sich ein Souvenirshop an den nächsten und man kann viele aufregende Aktivitäten unternehmen. Wir konnten uns dies nicht entgehen lassen und fuhren gleich nach Ankunft mit der Gondel 400m in die Höhe: wir wollten zum Bungy Jumping! Da die Sprungplattform auf dem Hausberg liegt und man die Stadt und den See vor sich hat, erscheint es gleich noch höher. Wir bekamen also den gesuchten Adrenalinkick und feierten anschliessend mit einen tollen Steak und den süchtig machenden Spare Ribs. Am nächsten Tag sahen wir im in einem Vogelreservat endlich die Kiwis mit Schnäbeln. Diese Vögel wirken eher rund und geben witzige Töne von sich. Wenn sie in Aufregung auf und ab hüpfen, ist die Ähnlichkeit mit einem Gummiball nicht zu übersehen. Ebenso sahen wir einen lebenden Dinosaurier, den Tuatara, der Aufgrund eines anfangs sichtbaren dritten Auges auf der Stirn sehr speziell ist. Unser Exemplar war leider schon etwas älter, daher war das Auge nicht mehr zu sehen.

franz josef gletscher 20140419 1424807562Auf unserer Fahrt in Richtung Norden ging es der Westküste entlang weiter. Dieses Gebiet ist sehr grün und moosüberwachsen und erinnert einen an den Urwald (oder einen Zauberwald). Nun zeigte sich langsam das Ende des Spätsommers und es regnete und wurde kühler. Wir befanden uns wieder in der Nähe der Southern Alps und der zwei berühmtesten Gletscher, dem Fox und dem Franz Josef Gletscher. Durch das Tal, das der Gletscher während vieler Jahre ausgehöhlt hat, gingen wir auf den Franz Josef Gletscher zu. Doch der Anblick war im Vergleich mit früher eher traurig. Wo man damals vom Startpunkt des Wanderwegs die blauschimmernde Eiswand in der Ferne sehen konnte, war heute nichts mehr. Der Gletscher hatte sich in zehn Jahren sehr weit zurückgezogen. Und da die Wolken an diesem Tag auch noch sehr tief hingen, sahen wir schlussendlich auch aus der Nähe nicht mehr viel, was sehr schade war.

christchurch 20140419 1500098477Aber nun wartete die zweitletzte Station auf uns. Mit einer Fahrt über den Arthur’s Pass fuhren wir von der West- zurück an die Ostküste und erreichten somit Christchurch. Ich hatte während meines Sozialeinsatzes ein Halbjahr bei Christchurch verbracht und sehr gute Erinnerungen an diese übersichtliche, lebendige und schöne Stadt. Als wir ankamen, erkannte ich jedoch die Innenstadt kaum mehr. Die Schäden des Erdbebens von 2011 waren verheerend und auch heute noch überall sichtbar. Im Zentrum hat es fast nichts ausser Baustellen, zerstörte Gebäude und Umfahrungen, Restaurants findet man eher in den Vororten. Einige Fassaden werden mit Schiffscontainern stabilisiert und Wohnhäuser stehen noch genauso da wie vor drei Jahren, da sie in der gefährdeten und unbewohnbaren „Red Zone“ sind. In der Stadt scheint es nur noch Leute zu haben, die arbeiten, sei es auf Baustellen oder in Büros, ansonsten lebt die Stadt nicht. Es war für mich also sehr schockierend, Christchurch nun so zu sehen und es war auch sehr schwierig, mich zu orientieren, viele Orientierungspunkte gibt es schlicht nicht mehr. Stellvertretend für alles steht die Kathedrale, das Herz der Stadt, nach der sie auch benannt wurde. Der Cathedral Square war einst das Zentrum, Treffpunkt und Ausgangspunkt für Erkundungen. Heute steht noch ein Teil der Kathedrale vereinsamt auf einem Platz, da es die Gebäude rundherum nicht mehr gibt. Und da man sich nicht einigen kann, was damit geschehen soll, breitet sich langsam die Pflanzenwelt auf den Ruinen aus. Doch bei den Einwohnern Christchurchs spürt man auch Zuversicht und die typische neuseeländische Denkweise, nach vorne zu schauen. Es sei schade, doch es könne weitergehen. Neuseeland ist ein junges Land, daher haben die Kiwis ein ganz anderes Verhältnis zu Geschichte als wir Europäer. Wo es uns vielleicht weh tut, die Kathedrale so zu sehen, können sich einige Kiwis sehr wohl vorstellen, alles abzubrechen und etwas ganz neues zu erbauen. Mit etwas Geduld werde die Stadt in 10 Jahren wieder wie vorher sein, meinte beispielsweise die Besitzerin des Backpackers. Stimmt, warum eigentlich nicht?

auckland aus dem skytower 20140419 2049713174Es wurde Zeit, unser Mietauto abzugeben und nach Auckland zurück zu fliegen. Im Norden war das Wetter gleich wieder spürbar wärmer. Wir genossen die letzten beiden Tage in Ruhe, und da Karfreitag war, herrschte eine gemütliche Stimmung. Die einzige Attraktion, die wir besuchten, war der Skytower, von wo aus man aus 190m einen tollen Rundumblick hat. Am Samstag wurde es Zeit für mich, den langen Heimweg anzutreten. Amos flog dann am Sonntag nach Indonesien zurück. Nach vielen Stunden in Flugzeugen, Flughäfen und in verschiedenen Zeitzonen sind wir beide am Ostersonntag wieder an unseren entsprechenden Destinationen angelangt. Im Gepäck habe ich viele neue, schöne Erinnerungen an das grüne Neuseeland inmitten des blauen Pazifiks mit den roten Sonnenuntergängen. Es ist und bleibt das schönste Land, das ich bisher besucht habe.