Malaysia

Zurück aus „Brave new World“ in Singapur habe ich nun drei Wochen Zeit in Malaysia, bis dann mein Motorrad mit dem Gemüsefrachter nach Sumatra in Indonesien verschifft wird.

neue heidenaus hinten 20140225 1617041407Nach der gemütlichen Ferienwoche in Singapur fahre ich mit der MRT und meinen neuen, hier gekauften Heidenaus, zurück nach Johor Bahru. Beim Zoll deklariere ich diese und beantworte ein paar Fragen und schon darf ich ohne Zollgebühren und Steuern für die Reifen einreisen. Auch hat mir nun Claudia, neben einigen Ersatzteilen wie neues Visier und Öl-/Luftfilter, eine neue Fotokamera mitgebracht. Nun kann ich endlich wieder anständige Fotos machen und muss nicht immer das Natel zücken. Wie mittlerweile üblich bei Besuchen von Zuhause, lasse ich auch etwas Gepäck mit nach Hause gehen, welches ich nicht wirklich brauche. Mittlerweile habe ich nur noch halb soviel dabei, als beim Start der Reise. Am liebsten hätte ich neue schmalere und kleinere Koffer, aber keinesfalls Touratechbilligkoffer. Nach der ersten Tagesfahrt finde ich per Zufall eine geeignete Werkstatt mit nettem Personal und wechsle das Motorenöl. Dass man die Reifen von Hand Wechsel kann, haben wir in Irkutsk bewiesen, aber mit der Maschine hier geht es wesentlich schneller und angenehmer. Es reut mich etwas, die alten Heidenaus K60 mit nur 18'000km und 4.5mm Restprofil zurückzulassen. Mit so etwas ist Christian von Baku nach Irkutsk gefahren. Auf das neue Profil hochgerechnet würde der K60 locker 30'000km machen bis zur Profilmarkierung. Da es bis nach Darwin im norden Australiens keine Versorgungsmöglichkeit mit Heidehaus mehr gibt, es doch ein paar grössere Risse von Glasscherben im Pneu hat und für Indonesien ein neues Profil sicher von Vorteil ist, wechsle ich sie nun bereits hier aus.

auf dem canopy trail ii 20140225 1016941222Als Erstes fahre ich an den Rand des Taman Negara Nationalparks. Der beherbergt den angeblich ältesten Urwald der Welt. Hier ist er nun, der Primärwald! Am Park-Eingangs-Dörfchen weile ich zwei Tage und mache drüben im Park eine kurze Tageswanderung, da eine Zweitägige Wanderung mit Guide leider nicht zustande kam. Es gibt zum Teil ausgebaute Stege durch den Wald und auf dem Canopy-Walk Hängebrücken in mehreren Zehn Metern Höhe von Baum zu Baum. Für etwas Abenteuer packe ich das Motorrad und fahre eine kleine Off-Road-Strasse durch den Dschungel einen Tag der Parkgrenze entlang, um dort im Dschungel zu campen. Es wird eine äusserst spannende Fahrt, mit viel Grün und Staub. Es kreuzen Echsen, exotische Vögel und Rieseneichhörnchen meinen Weg. Leider gehen wie immer die besten Schnappschüsse verloren, da die Kamera immer zu spät zur Stelle ist. Zum Beispiel konnte ich auch nie ein Foto machen von den ausgewachsenen Schweinen auf den kleinen Khmer Mopeds in Kambodscha. Zum Teil fahre ich in tiefen Furchen, welche erst vor Kurzem durch grosse Raupenfahrzeuge geschaffen wurden und welche ein paar Mal im nichts endeten. Ab und zu kommen grosse gerodete Stellen, welche in Zukunft sicher als Plantagen dienen, oder auch nicht. Ich übernachte an einem kleinen Flüsschen bei viel Vogellauten und sonstigen Uhrwaldgeräuschen. Am nächsten Tag muss ich dieselbe Strasse zurück. Kurz vor dem Ausgangspunkt befindet sich eine neue Strasse im Bau und anstatt die alte Umfahrung zu fahren, versuche ich die steile Auffahrt ohne Erfolg zu bewältigen und muss dann doch auf die Umfahrung ausweichen. Damit habe ich nun genügend Off-Road-Vergnügen gehabt bis nach Indonesien.

teeplanatgen in den cameroon highlands ii 20140225 1603689567Die Hitze und Luftfeuchtigkeit verlangen viel Energie ab. So fahre ich in die Cameroon Highlands auf gut 1500m Höhe. Hier gibt es erfrischende Abkühlung, was neben den Erdbeer- und Teeplantagen die Hauptattraktion ist. Ich nutze die Temperaturen und mache etwas Unterhalt am Motorrad. Die Gummihalterung des Motorschutzschild ist einmal mehr defekt, da beim Off-Road-Betrieb der Schutz mehrfach auf grösseren Steinen aufgesetzt hat, weil er zu tief ist. Die ist einerseits wegen der Zusatzbox so, und andererseits wegen den Auslasskrümmer, beides Produkte vom angeblichen Off-Road-Profi Touratech. Die Herren verkaufen sogar einen Kratzschutz für den Sturzbügel. Somit entferne ich die Box, verändere die Aufhängung des Motorschutzes leicht und repariere die Gummidistanzen. Auf der Tagestour rund um die Highlands halte ich an verschiedenen Orten an, um Material zusammen zu tragen für mein nächstes Projekt in der Reihe der Kofferpanzerung. Die Aluminium-Lippen, welche zwischen Deckel und Koffer für Halt sorgen, sind schon seit Langem gebogen, weil die Schweissnaht gebrochen ist, da diese sich an einem Punkt mit höherer Belastung befindet, anstatt anderswo. So organisiere ich mir Stahlprofile vom Metallbauer, jedoch gibt es hier Schrauben nur in Imperialen grössen, daher muss die Fertigstellung noch warten.

senja beach iii 20140225 1336274815Nach der Abkühlung gehe ich mich nun auf eine der Postkarten-Inseln am Strand entspannen. Dafür fahre ich quer über die ganze Halbinsel an die Ostküste. Da ich eine Baustellenumfahrung nicht sehe, fahre ich durch eine Strassenbaustelle. Auf einmal wird es Steil und immer Steiler mit immer grösseren Steinen, bevor ich es merke, ist es zum Umkehren zu spät, beziehungsweise zu steil und steinig. Ich hole Luft und versuche die restlichen, steilsten und steinigsten 50m zu machen. Der eine Stein ist zu gross und so werde ich das erste mal auf der Reise aus dem Sattel geworfen. Bisher waren es immer mehr oder weniger kontrollierte Absteiger. Ein paar blaue Flecken, ein paar Kratzer am Helm, ein paar Beulen am Motorschutz und Auslasskrümer, die Gummidistanzen schon wieder Kaputt, der Nebelscheinwerfer verbogen und mein neues Design am Tank ist zerkratzt. Zum Glück alles nichts Tragisches und das Moped hat keinen Schaden genommen. Auf dem Parkplatz der Anlegestelle der Boote zu den Perhentian Island packe ich mein Gepäck um und lasse das Motorrad zurück. Denn auf der kleinen Insel gibt es keine Strassen, nur Strand und Bootstaxi. Auf der Insel ist es wie im Bilderbuch, türkisfarbenes Meer, weisser Strand und kleine Standhäuschen mit täglichem BBQ am Strand. Daneben kann man Schnorcheln gehen an den Korallenriffen mit den Nemo's, den Riesenschildkröten und kleinen Haifischen. Ich bleibe einige Tage hier, denn ich muss ja auf meine Fähre nach Indonesien warten. Auf dem Balkon meines Häuschen lässt es sich mit Meerblick bestens Berichte schreiben, denn da gibt es noch Einiges nachzuholen.

beim ankerschmied 20140305 1365530011Zwei Tage vor dem Verladetermin fahre ich nochmals quer über die Halbinsel zurück nach Penang und Besuche Mr. Lim, der mein Moped mit einem Gemüsefrachter nach Belawan in Indonesien verfrachten wird. Wir besprechen kurz den Ablauf und verabreden uns für in zwei Tagen, um das Motorrad zu verladen. Es scheint alles einwandfrei zu funktionieren. Ziemlich jeder, der sein Motorrad zwischen Malaysia und Indonesien hin und her schiebt, war bei Mr. Lim. Danach beende ich beim Ankerbauer mein Kofferlippenpanzerung-Projekt. Wenn die Reise zu Ende ist, wird auch mein Gepäck bereit sein für die Reise. Solange ich in Malaysia noch das meiste notwendige Kleinmaterial bekommen kann, organisiere ich es hier noch, wie beispielsweise Kettenspray. Die Strassenshops haben zum Teil, jedoch eher Schlechtes (da wäre meine Motorenöl Variante besser), BMW will mir keines verkaufen und der Touratech-Clown hier brachte mir O-Ringe als ich nach O-Ring-Verträglichem Kettenspray fragte. So komme ich bei KTM vorbei, schaue mir die top Motorräder an und diskutiere etwas mit dem Chef. Selbstverständlich haben sie auch hochqualitatives Kettenspray für mich. Nächstes Mal könnte es durchaus eine KTM werden, zumal diese letztes Mal auch im engsten Kandidatenfeld stand.

verladen 20140227 1366797632Nun ist der Tag zum Verladen gekommen. Ein paar Stunden später als geplant geht es am Nachmittag mit der Fähre rüber nach Butterworth in den kleinen Frachthafen. Das Carnet ist nach einer halben Stunde durch, inklusive der obligatorischen Diskussion über Uhren, Schoggi und Berge. Danach geht es erst mal ein paar Stunden in die Kantine zum Warten, denn der Frachter ist erst gerade angekommen und muss erst entladen werden. Mr. Lim kommt mich abholen und es soll losgehen. Am Schiff angekommen, ist das Entladen in vollem Gange mit zig Männern, die das Gemüse (Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen, Ingwer und Blumenkohl) in unzählige Kleintransporter laden. Mein Motorrad soll ich mittendrin abstellen.  Zusammen mit dem indonesischen Matrosen legen wir die Taue an günstigen Stellen an. Nachdem es da nun eine halbe Stunde wartet und etliche Ladungen darüber hinweg schweben, wird es dann auf das Deck gehievt und in den Bauch geschoben. Hoffentlich geht dann das entladen in Belawan genauso reibungslos. Pünktlich zum Sonnenuntergang fahre ich mit der Fähre wieder zurück nach Penang. Um dann ein paar Tage später mit dem Flugzeug ebenfalls nach Indonesien zu reisen.