Laos – ປະເທດລາວ

Kurz dem Zollbeamten erklären wo er das Carnet bestempeln muss und dann heisst es endlich wieder „Sabaidee“ P.D.R. Laos!

die kleinste aller faehren 20140128 1165367775Gleich zu Beginn kommt schon das erste Abenteuer mit der kleinsten aller Mekong-Fähren. Da ich gegen Abend noch kurz den riesigen Fluss überqueren möchte, um am nächsten Tag noch eine weitere Khmer Ruine zu bestaunen, bin ich alleine und daher fährt die grosse Fähre heute nicht mehr. Alles kein Problem, denn da wird der Fährjunge mit der kleinen Moped-Fähre gerufen, auf dessen durchgebogenen Brettern mein Motorrad gerade so Platz hat. Nach der abenteuerlichen Auffahrt vom Sandstrand kommt die Überfahrt. Die zwei Boote aus welchen die Fähre besteht, sind nur gerade ein paar wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche. Glücklicherweise ist der Mekong so ruhig, dass diese nicht mit Wasser voll laufen.

tad fane 20140128 1753357392So kann ich am nächsten Tag gleich die Ruinen von Wat Phou anschauen und meine Fahrt nach Norden fortsetzten. Als nächstes auf der To-Do Liste steht der gewaltige Wasserfall Tad Fane und das erhöht gelegene künstliche Wasserreservoir Nam Theun, welches ein von Laos, Thailand und Frankreich betriebenes Kraftwerk speist. Zwischen den Attraktionen lässt es sich gut essen in einem der vielen Straßenrestaurants. Das letzte Ziel im Süden ist die Höhle Kong Lor, durch welche ein 7km langer Fluss führt und am anderen Ende in ein Gebiet führt, dass nur durch die Höhle erreichbar ist. Mit einem kleinen Boot wird man vom Kapitän und seinem Steuermann gekonnt durch alle Untiefen und Stromschnellen gelotst. Nach der Höhle fährt man kurz durch (fast) unberührten Dschungel, entlang an Sandbänken die übersät sind mit Wasserbüffeln. Allein das Dorf als Ausgangspunkt für die Höhlenbesichtigung ist sehenswert inmitten von Karstfelsen und Feldern. Ebenfalls hier an der Wand meines Gasthauses entdeckt wurde der 30cm grosser Gecko. Wie überall ist auch hier mein Motorrad der Hingucker, besonders für die kleineren Bewohner. Überall zu sehen sind die Traktoren mit dem laotischen Standard-Bausatz. Dieser kann für alles Mögliche gebraucht werden, wie zum Beispiel auch für eine Wasserpumpe.

meine tasche wird gereinigt 20140128 1484494619Nach neun Monaten permanenter Benutzung ist mein ganzes Equipment bereits mehr oder weniger abgenützt und es vergeht fast kein Tag mehr an dem nicht neue Defekte zum Vorschein kommen. Hier ist ein Reissverschluss defekt, da eine Naht offen und dort entsteht ein Riss. Als ich in besagtem Gasthaus den Reissverschluss meiner Tasche reinigen will, schaltet sich die Besitzern ein, reisst mir die Tasche aus der Hand und reinigt diese selbst. Danach ist die Tasche wieder wie neu und funktioniert heute noch. Um den Zerfall meiner Antriebskette zu stoppen, auch ohne Kettenspray welches es seit Thailand nicht mehr gibt, benutze ich nun Motorenöl und eine Spritze. Funktioniert bestens und schnell, man muss es nur jeden Tag machen, da das Öl schnell wieder abschleudert. Hat aber auch Vorteile bei staubigen und sandigen Strassen, da der Sand und Staub schneller aus der Kette heraus gespült werden.

landslide ii 20140128 2082467002Jetzt geht es weiter in Richtung Norden, zurück nach Luang Prabang, von wo aus ich dann zusammen mit Claudia Ferien in Vietnam machen werde. Ich plane für mehrere Tage eine Route auf einer kleinen Nebenstrasse. Daraus wird eine Zweitagesfahrt über perfekt neu asphaltierte Strassen durch abgelegenes Gebiet. Bald wird klar warum, neben der neuen Hochspannungsleitung wird in der Mitte der 200km langen Strasse ein neues chinesisches Hydrokraftwerk errichtet. Einzig gegen Ende der Strasse wird ihr Zustand etwas schlechter und es gibt ab und zu einen Landslide zu überqueren. Dabei durchquere ich auch das Gebiet, welches während dem amerikanischen Krieg in Vietnam am meisten von US Bomben getroffen wurde, wobei Laos insgesamt das jeher am meisten zerbombte Land der Welt ist. Dabei sieht man noch viele Überbleibsel davon, Krater, Boote aus Bombenschalen, diverse Souvenirs aus geschmolzenem Bombenaluminium und diverse Blindgänger als Dekorationen oder noch unschöner, die Blindgänger (UXO, Unexploded Ordonances) zerstreut übers ganze Land.

fotoshooting mit pha thiao 20140128 1929191532Am Ende der Strasse treffe ich wieder auf unseren Weg, den wir bei unserer ersten Laos-Durchquerung von China nach Thailand nahmen. Da dies nach wie vor eine der großartigsten Gegenden Laos' ist, mache ich nochmals einen kleinen Umweg nach Süden und dann über eine weitere vermeintliche Hinterlandstrasse zurück nach Luang Prabang. Dabei geht es über gute Strassen, auf Bergkämmen, durch Täler und Ebenen entlang von Karstfelsen. Dieses Gebiet war das erste Mal schon atemberaubend. Zusammen mit dem Rest von Nordlaos ergibt das eine, an sich unerreichbare, 1.0 auf der Norwegen-Skala. Die Nebenstrasse hat sich dann aber auch als durchgehend asphaltiert herausgestellt und benötigte daher auch nur kurze Zeit, um über den über 2000m hohen Pass zu kommen.

sonnenuntergang am mekong in luang prabang 20140128 1008455686Damit bin ich nun ein paar Tage zu früh in Luang Prabang, um von hier aus nach Hanoi zu fliegen, um dort Claudia zu treffen. Daher entspanne ich mich hier etwas. Ich besichtige den Stadtberg, kaufe Souvenirs, esse an Strassengrills, schreibe Berichte am Mekong und besuche den Night-Market. Daneben gehe ich noch zum Mechaniker-Meister, um mir neue M8-Distanzen aus Stahl drehen zu lassen, welche ich für die Reparatur des Motorschutzes benötige. Beim Abholen der Teile darf ich entzückt mitansehen, wie der Meister ein über M14 Gewinde in Stahl mit dem automatischen Vorschub, in mehreren Anläufen, dreht. Die Qualität ist dann auch entsprechend, aber für meine Zwecke genügt es allemal.

bambusflossjunge 20140128 1532571010Nun ist es Zeit um für zwei Wochen das Motorrad hier stehen zu lassen und Vietnam zu besuchen. Zurück komme ich, wie es sein muss bei Überlandreisen, über den Landweg mit dem Nachtbus. Dabei komme ich durch Điện Biên Phủ im äussersten Nordwesten Việt Nam's. Ein spannender Ort, denn hier haben die Vietnamesen bei der legendären Schlacht um Điện Biên Phủ ihre Unabhängigkeit von den Französern zurückerobert. Die Vietnamesen sind allgemein ein sehr wehrhaftes Volk und haben bereits vier invasive Imperien erfolgreich zurückgedrängt, das macht sie noch sympathischer. Von hier geht es weiter mit einem kleine Bus durch die Berge, vorbei an der Grenze bis an den Fluss Ou in Nordlaos. Dieser Fluss führt direkt nach Luang Prabang, beziehungsweise mündet kurz davor in den Mekong. Daher nehme ich eines der Touristen-Boote, welche einen Teil der über 150km langen Fahrt in zwei Tagen machen. Das Boot ist sehr unbequem und man sitzt zusammengekauert mit anderen Touristen fast am Boden. Bei jeder Stromschnelle hat man das Gefühl, das Boot kentere jede Sekunde. Dafür geht’s vorbei an absolut unberührtem Dschungel und Karst-Gebiet. Ab und zu sieht man Ochsen am Strand und ein paar Häuser der Eingeborenen. Einmal stoppen wir, um eine Familie in dem bereits (nach unserer Ansicht) vollen Boot mitzunehmen.

flussdurchquerung i 20140128 1729352079Zurück in Luang Prabang breite ich mich nun für den letzten Teil meiner Laos-Rundreise vor. Dabei nehme ich nochmals eine Nebenstrasse, welche sich diesmal als eine wirkliche Off-Road-Nebenstrasse entpuppt, nun nach dem dritten Versuch. Es geht über zwei Stufen von Luang Prabang über Hongsa nach Houay Xay an die Thailändische Grenze. Ich erlebe nun zwei Tage Off-Road, durch Dschungel, durch Flüsschen, entlang an Bergkämmen, durch Bergdörfchen wie vor hunderten von Jahren und durch Ebenen mit endlosen Bananenplantagen. Dazwischen gibt es kurz Zivilisation in Hongsa mit einem neuen chinesischen Kohlekraftwerk und einem Mark. Mitten im Nichts macht sich der Zerfall wieder bemerkbar. Die eine Lasche der hinteren Längsverstrebung des Kofferträgers bricht ab. Die habe ich bei der letzten Reparatur zurecht biegen müssen. Christian hätte dabei gesagt: „Kalt geschmiedet holt der Teufel“ und hätte damit recht. Ich erinnere mich noch an eine andere Aussage des Maschinenbauers, noch von der Kofferpanzerung in Bishkek, welches besagt, „Egal wie gut man etwas verstärkt, dann geht das nächst schwächere kaputt“. Auch damit hat er recht behalten. Aber durch die massive Reparatur der oberen Strebe damals in Kambodscha hält der Kofferträger mehr oder weniger unbeschadet weitere 100km bis zur nächsten Schweissanlage ohne die hintere Strebe.

meine helfer 20140128 1210327614Angekommen am Mekong und an der Thailändischen Grenze ist es nun Zeit das Land zu verlassen und die Indochina-Rundreise abzuschliessen. China, Thailand und Laos haben soeben vor einem Monat die neue Friendshipbridge 4 eröffnet, daher erwarte ich einen schnellen und unkomplizierten Grenzübertritt. Damit geniesse ich den letzten Sonnenuntergang am Mekong. Der Grenzübertritt erwies sich trotz oder gerade wegen der Brücke als der mühsamste auf der ganzen Reise. Da die Grenzposten an den Brücken den Betrieb erst seit einem Monat aufgenommen hatten, waren die zuständigen Beamten für die nötigen Stempel auf dem Carnet sich Ihres Glückes noch gar nicht bewusst. Daher mache ich mindestens zwei Runden durch alle Büros und werde von einem Beamten zum nächsten geschickt. Bis zweimal unabhängig voneinander jeweils eine Dame mich zu dem Häuschen mit dem faulen Beamten, bei dem ich das erste mal war, führte. Das zweite Mal konnte er uns nochmals abweisen, beim dritten Mal musste er dann von der Dame lernen wie man das Carnet abstempelt. Eine wirklich harte Arbeit für den armen. Einmal mehr stellt sich heraus, das die Beamtendamen bei weitem weniger desinteressiert und faul sind als ihre männlichen Kollegen. Endlich waren alle Stempel beisammen, nun konnte es weiter gehen über die Brücke.

ausladen i 20140128 1639103453Hier wartet schon das nächste Hindernis. Die Dame im Kontrollhäuschen zur Brücke will mich nicht durchlassen und spricht nur laotisch. Ebenfalls nur laotisch sprechen die immer mehr werdenden Beamten mit den verschiedensten Uniformen, welche beginnen, sich um mich zu scharen. Nach Langem wird mir dann klar, dass ich mit dem Motorrad nicht über die Brücke darf und daher eine der alten Mekong-Fähren von Zeiten vor der Brücke benutzen muss. Also fahre ich 10km zurück zu den Fähren, mit aus gestempeltem Pass und Carnet. Diese verkehren selbstverständlich nicht mehr, da es nun die Brücke gibt. Nach kurzem fluchen halte ich kurz noch an der Anlegestelle für die Personenfähren, bevor ich gedenke, zur Brücke zu fahren und ohne Ankündigung neben der Schranke hindurch auszubrechen. Da kommt aber ein geschäftstüchtiger Thailändischer Fährmeister daher und bietet mir für gutes Geld an, mit den herumlungernden Männern das 250kg schwere Motorrad in die Personenfähre zu hieven. Und so fahre ich mit meinem Moped und und zehn Leuten auf der Personenfähre zum achten und letzten mal über den Mekong, dessen Überquerungen immer für Spannung und Nervenkitzel gut waren.

Goodbye Laos!