Indonesia Der Ritt auf dem pazifischen Feuerring

Nach Sumatra geht es weiter auf dem Indischen Archipel, wo mit 240 Millionen Einwohner die viertgrösste Nation der Welt zuhause ist. Es ist mehr ein Verbund von einzelnen Inseln, welche jede für sich ein eigenes Land mit eigener Sprache sein könnte.

meine neue abgasmaske 20140322 2050547456Seit Chengdu im Herzen Chinas führt die Route nun wieder direkt nach Osten bis nach Dili in Osttimor. Der Unterschied von 100 Einwohner pro km² in Sumatra zu den 1000 in Java (Schweiz 200) schlägt sich brutal im Verkehr nieder. Vorwärtskommen scheint auf der nur 1000km langen Insel fast unmöglich zu sein, da man das Gefühl hat, dass alle 130 Millionen Javaner gleichzeitig auf der Strasse sind. Das ist Dichtestress pur. Meine Abgasmaske kommt nun zum Einsatz, da man nur zu oft hinter russenden Lastwagen gefangen ist im Stau. Auch wenn ich Jakarta mit mehr als 100km umfahre, bin ich zwei Tage lang im Stau. Mitten im Stau am Nachmittag, wo die Sonne am stärksten war, steht da tatsächlich eine Maus tanzend am Strassenrand. Humor haben sie schon, die Javaner.

auf dem dieng plateau ii 20140322 1454789631Der Rauch, welcher ganz Sumatra bedeckte, verschwindet jetzt langsam und man kann die Vulkane sehen, an dessen Hängen ich jeweils eine eine kühle Unterkunft finde. Ich fahre in drei Tagen nach Solo in Zentraljava wo ich mein Motorrad stehen lassen werde um in Neuessland Ferien zu machen. Dabei komme ich durch das erst Highlight Javas, dem Dieng Plateau. Ein extrem fruchtbares vulkanisches Hochplateau, auf dem alles, was wächst das ganze Jahr hinüber angebaut und geerntet wird. Wörtlich jeder Zentimeter ist bepflanzt. Dazwischen hat es kleine Dörfer mit überdimensionalen Moscheen, die meisten davon noch im Bau, wahrscheinlich seit Jahrzehnten. In Solo angekommen wird umgepackt und das Motorrad bereit gemacht um es bei Roby, einem lokalen Motorradhändler, einzustellen. Es bleiben noch ein paar Tage bis zum Abflug nach Neuseeland, um mit Roby Ausflüge in die Region zu machen und mit seiner Familie essen zu gehen.

bromo sunrise iii 20140801 1176531761Einen Monat später, zurück im ewigen Sommer, hole ich mein Motorrad bei Roby ab und packe wieder für den Motorradbetrieb. Roby hat in der Zwischenzeit mein gebrochenes Windschild mit Draht wieder zusammen genäht, einwandfrei. Im Osten Javas sind nun noch ein paar Sehenswürdigkeiten auf dem Programm, zum einen die UNESCO Kulturerben Brambanan Tempelkomplex und Borobudur. Sehr spannend, jedoch nicht zu vergleichen mit der grösse Angkors. Zum anderen sind es die Vulkane Bromo und Ijen, welche man unbedingt sehen sollte. Bromo ist der aktive von fünf kleinen Vulkanen, welche sich in einem Sandsee innerhalb der Caldera eines noch grösseren Vulkans befindet. Auf Ijen befindet sich eine Schwefelquelle in der Caldera. Das heisse, rote und flüssige Schwefel kühlt ab und erstarrt zu knallgelbem Schwefelstein. Dieser wird in Portionen zu 80 bis 90kg von Trägern zu Fuss  für ein paar wenige Rupien den Vulkanhang hinunter getragen. Beide Attraktionen besucht man zum Sonnenaufgang, zusammen mit indonesischen Touristen. Langnasen gibt es auch ein paar, aber eher selten.

zentralbali 20140801 1940075015Die Zeit ist reif um auf Bali über zu setzten und ein paar Tage zu entspannen. Mit 750 Einwohner pro km² wird der Verkehr im speziellen im weniger touristischen Norden leicht besser. Ich lasse mich im Zentrum der Insel auf den Vulkanhängen nieder, wo sich nicht viele Touristen befinden. Trotzdem steigen die Preise markant an und die Balinesen, welche in den Tourismus involviert sind, wirken unfreundlich und gierig. Die Insel an sich ist sehr schön mit vielen Reisterrassen an den Vulkanhängen. Einmal muss ich runter in den Moloch, wo sich alle Touristen tummeln, um Linsen zu kaufen. Einmal besuche ich einen Hinduistischen Tempel, doch die Abzockerei ist zu gross, daher war es auch das letzte Mal. Ob nun Bali das Zentrum des Universum ist, habe ich nicht herausgefunden. Zweifellos ist Bali das Epizentrum des Indonesischen Tourismus.

strand auf gili meno ii 20140801 1894405010Die nächste Fähre bringt mich in acht Stunden eine Insel weiter nach Lombok. Die Indonesischen Fähren wirken wie zusammengebastelt und verrostet, mit etwas Farbe darauf. Aber sie fahren. Jedoch wundert es nicht, wenn in der Zeitung wieder ein Bericht steht, über eine gesunkene Fähre in Indonesien. Mit der Überquerung der Wallace Linie beginnt ab hier der Übergang zur australischen Fauna, eine Gebiet mit grösster Biodiversität. Der Verkehr wird mit nur noch 500 Einwohner pro km² deutlich besser. Aber die Tourismus-Menschen hier fühlen sich noch gieriger an als in Bali. Daher lasse ich meinen Töff stehen und gehe mit einer kleinen Fähre auf eine der kleinen verkehrsfreien Gili Inseln vor Lombok, während ich auf meine Visaverlängerung warte. Die Insel meiner Wahl konnte ich in einer halben Stunde beim Joggen am Strand umrunden, hatte danach jedoch fast einen Kreislaufkollaps. Die Hitze in Indonesien ist nach wie vor extrem sowohl für Standferien, aber auch besonders zum Motorradfahren oder Sport machen. Dafür ist die Insel wie aus dem Bilderbuch mit türkisfarbenen Meer und gelben Sandstränden. Hier mache ich einen Tauchkurs, um 10m unter dem Wasser die Korallenriffe zu bestaunen, mit allen darin lebenden Meeresbewohner. Am Abend gibt es Fisch-BBQ am Strand. Die Gili Inseln bei Lombok sind auf jeden Fall einen Besuch wert.

camping auf sumbawa 20140801 1373153626Mit der nächsten Fähre komme ich über stahlblaues Wasser nach Sumbawa, meiner nächsten Insel auf dem Pazifischen Feuerring. Hier gibt es nur noch 90 Einwohner pro km², die Strassen sind alle einwandfrei geteert, Verkehr existiert fast nicht und Tourismus existiert, bis auf ein Surfer-Hotspots, kaum. Da dies schon fast zu einfach ist, entscheide ich mich einem kleinen Offroad-Track im Süden zu folgen. Hotels gibt es hier keine mehr. Als ich am Abend im letzten Dorf vor dem Trac, einkaufen gehe, bestaunen mich die anwesenden Frauen und Kinder, als hätten sie noch nie eine Langnase gesehen. Übernachtet wir im Zelt auf einer Klippe über dem indischen Ozean. Am nächsten Tag geht es über steile Offroad-Strassen auf und ab entlang dem Ozean und danach durch die Berge im Landesinnern. Bei einem Fotostopp bemerke ich dann, dass meine Nummer fehlt. Ich fahre eine Stunde zurück und finde nichts. Daher überlege ich mir beim Zurückfahren, wie ich sie nun mit Karton und etwas Farbe nachmalen werde. Ich fahre langsam hinter einem Moped her um die Strasse nochmals abzusuchen. faehrhafen in sumbawa ii 20140801 1039063189Plötzlich zeigt mir der nette Sumbawaner auf dem Rücksitz des Mopeds meine Nummer, und fragt mit Gesten, ob das meine sei. Dafür gibt es einen üppigen Finderlohn. Am nächsten Tag schraube ich in der nächsten Strassenwerkstatt meine Nummer an.Die Fahrt führt während zwei Tagen vorbei an einem Surfer-Hotspot, an das Ostende der Insel. Unterwegs sehe ich schon ein paar verwandte der Komodo Waranen. Bisher fuhren alle Fähren stündlich den ganzen Tag, nun wird es schwieriger. Ab hier fährt die Fähre nur noch einmal täglich. Um neun Uhr morgens soll es los gehen. Ich bin um acht da und binde mein Moped fest. Um zehn ist der Kahn auf jedem Zentimeter vollgestopft. Die achtstündige Fahrt nach Flores führt vorbei an den Inseln Komodo und Rinca, welche zum Komodo Nationalpark gehören und die Komodo Warane beheimaten.

komodowaran i 20140801 1703138602Angekommen in Labuanbajo auf Flores, mache ich nun wieder ein paar Tage Pause in einem Hotel über der Stadt. Dabei Besuche ich Rinca, eine der zwei Inseln mit Komodo Waranen. Der Weg führt weiter nach Osten durch die Berge, ein Horizont an den anderen. Am Abend meines ersten Zwischenstopps werde ich aus dem Zimmer gerufen, denn da ist ein Herr der sich für meine BL Nummer interessiert, da er auch von da ist. Nach zwei Bieren finden wir dann heraus, dass er für ein Semester in meinem ersten Lehrjahr mein Mathelehrer gewesen ist . Er ist hier von einer NGO, um den Tourismus auf Flores zu entwickeln. Danach führt mein Weg weiter vorbei am Städtchen Ende, welches ganz sicher auch eines der Enden der Welt ist und von den Holländern so benannt worden ist.

kelimutu kraterseen i 20140801 1579002217Kurz nach Ende liegt mein letzter zu besuchende Vulkan, der Kelimutu. Diesen Besucht man auch zu Sonnenaufgang mit fantastischem Blick über die Insel und über die drei verschiedenfarbigen Kraterseen. Mein nächster Halt wird Larantuka, definitiv auch eines der Enden der Welt. Von hier soll einmal oder vielleicht zweimal pro Woche eine Fähre nach Timor übersetzten, oder auch nicht. Alle erzählen etwas, niemand weiss es genau. Wer es weiss, dessen Wissen ist veraltet, da die Abfahrtszeiten oft wechseln. Ich checke am Hafen die Abfahrtszeiten auf einem Plakat in Indonesisch, und es sieht so aus, als ob in zwei Tagen um zwölf Uhr mittags das Schiff loslegt zur finalen alles übertreffenden Überfahrt.

sunrise in kupang 20140801 1917875902Ich bin um acht Uhr morgens da um das Moped einzuladen. Das Deck ist bereits voll mit Lastwagen, mein Töff hat noch im Bug am Rande Platz. Die nächsten sieben Stunden warte ich, um zu sehen, wie sich das zuvor schon volle Schiff noch mehr mit Menschen, Früchten, Mopeds und Tieren füllt. Die Flut kommt und geht, das Gewusel ist gigantisch und mein Töff liegt hinter Bananen verborgen. Um drei Uhr geht es los auf die zwölfstündige Überfahrt nach Timor. Das Fahrzeugdeck und Passagierdeck sind voll und ich suche auf dem obersten Deck neben der Brücke Zuflucht über die Nacht. Kurz vor der Dämmerung kommt der Kahn in Kupang auf Timor an. In Indonesischer Manier versuchen alle gleichzeitig mit ihren Waren von Bord zu kommen. Mein Moped liegt ganz hinten, daher schaue ich dem ganzen entspannt und genüsslich zu. Nach einer weiteren Stunde liegt mein Moped frei und ich fahre mit dem Sonnenaufgang zu meinem Hotel. Während ich mein Osttimor-Visa beantrage und darauf warte, reinige ich mein Zelt für die Einfuhr nach Australien und besuche Abends den besten Fischmarkt mit BBQ in Indonesien. Das Hotel ist bekannt unter Motorrad Reisenden, daher treffe ich hier ein paar Genossen. Unter anderem zwei Holländer mit Australischen Postmopeds auf dem Weg nach Hause.

mein timor huettchen 20140801 1845917229Bevor ich nun die Grenze zu Osttimor überschreite, mache ich noch einen kleinen Umweg über unwegsames Berggebiet. Er führt über Strassen, die mal geteert waren, aber nun fast nicht mehr existieren. Ich übernachte und esse bei einer netten Familie in traditionellen Timorhütten. Bevor ich die Grenze überqueren will, möchte ich in der Grenzstadt davor noch tanken, jedoch gibt es an keiner der etlichen Tankstellen Benzin. Wie üblich habe ich aber zuvor in Kupang voll getankt und daher genügend Benzin bis nach Dili, der Hauptstadt Osttimors. An der Grenze läuft alles einwandfrei, der Pass wird bei drei verschiedenen Büros eingetragen und abgestempelt, danach das Carnet. Nach zwei Monaten heisst es nun Goodbye Indonesien.

 

Kommentare  

 
# Roby Superbiker 2014-10-08 09:03
Amos....Congrat s for your journey finish...we all here glad to hear and receive your kind postcard.
See you sometimes Amos,we never forget you.
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