Zum Äquator

Am thailändischen Ufer angekommen steht nun die Fahrt nach Süden zum Äquator auf dem Reiseprogramm.

wat rong kuhn 20140225 1220497704Als Erstes geht nun aber der längste aller Grenzübertritte weiter. Das Motorrad wird nun auf dem thailändischen Sandbank des Mekong wieder aus der Nussschale hinaus gehievt, das Gepäck wieder montiert und die Helfer bezahlt. Nun brauche ich noch ein Stempel im Pass und das thailändische Zollpapier für meine Maschine. Es gibt hier zwar noch von früher ein Immigration-Büro, welches aber meinen Pass nicht stempeln kann, weil der Drucker nicht funktionieren will für die Quittung. Ein Beamter kommt daher und nimmt wie selbstverständlich mein Carnet und stempelt und bekritzelt es, bevor ich einschreiten kann. In Thailand braucht es kein Carnet sondern eigens ein thailändisches Zollpapier. Für das Zolldokument und den Stempel im Pass muss ich nun die 10km wieder zurück zur thailändischen Seite der Brücke. Dort angekommen wird nun mein Pass gestempelt und auf mein mehrfaches Bestehen das Zollpapier ausgefüllt. „You don't need“ sagt der Herr. „Letztes Mal brauchte ich es aber“, sage ich ihnen. „No Problem Sir“, sagt er wieder. Er würde bei meiner Ausreise im Süden sicher kein Problem haben, denn er wird weit weg sein, sage ich ihm. Dabei erfahre ich dann auch, dass es die Thais waren, welche keine Motorräder auf der Brücke wollen.

der gigant 20140225 2079036983Bevor es auf direktem Weg nach Süden in Richtung Singapur geht, wo Claudia mich besuchen kommt, fahre ich noch ein paar Kurven im Goldenen Dreieck. Dieses befindet sich zwischen Laos, Birma und Thailand und ist berüchtigt für den Opiumanbau und -handel. Ich beschliesse einen kleinen Umweg durch die Berge Nordthailands entlang der Burmesischen Grenze zu nehmen. Mittendrin merke ich, dass ich auf einer Strecke bin, auf welcher sich abenteuerlustige Touristen mit geliehenen Mopeds tummeln. Dabei treffe ich Conor auf einer grösseren Maschine und wir fahren für einen Tag zusammen weiter auf den einwandfreien Strassen in Thailand. Hier besuchen wir nun endlich einmal die Elefanten, welche sich in ganz Südostasien verstreuen. Touristen werden von den Giganten einen Weg getragen und zurück werden sie von Ochsenkarren geführt. In anderen Teilen Südostasiens waren die Ochsenkarren noch im richtigen Arbeitseinsatz, was sie viel spannender machte. Somit haben wir das Spektakel bald gesehen und ziehen weiter. Ich verabschiede mich von Conor, denn ich muss weiter nach Süden. Unterwegs mache ich noch einen Besuch bei den Karen, welche durch ihre Messinghalsringe bekannt sind. Mit der sichtlich gelangweilten Karen-Lady, welcher ich einen Schal für Claudia abkaufe, mache ich dann aber trotzdem noch ein Erinnerungsfoto.

das karrenpostkartenmaedchen 20140225 1809892668So fahre ich nun weiter der Burmesisch Grenze entlang und übernachte in kleinen Hüttchen am Grenzfluss. Auf einmal verschwinden alle Touristen und damit die guten Strassen, oder vieleicht list es auch umgekehrt. Im Januar ist hier im Norden so etwas, wie wir den Herbst kennen. Am Morgen etwas dunstig und fallende Blätter, nur sind diese hier einiges grösser als in Mitteleuropa. Als kleiner Tipp von Carsten fahre ich noch hoch zum Drei-Pagoden-Pass an der Burmesischen Grenze. Ihn kann ich hier leider nicht mehr treffen, da ich einerseits wegen des Streiks nicht nach Bangkok fahren will und andererseits ich nicht auf das Wochenende warten kann, da ich einen Termin in Singapur habe. Von Nordthailand zum Pass gibt es (noch) keine direkte Verbindung, nur Gerüchte im Internet um einen Trail den man mit Off-Road Motorrädern machen könnte. Wäre eine spannende Angelegenheit, jedoch bräuchte dies ein paar Tage Vorbereitungszeit. Daher fahre ich aussen herum und komme dabei an einem See bzw. Reservoir vorbei, auf dem ich eine Fähre wie aus dem Film Waterworld nehme. Am anderen Reservoir direkt am Pass mache ich noch einen Tag frei, um auf dem See zu kayaken. Nun aber geht es ohne Umwege weiter nach Malaysia. Vorbei an der Brücke am Kwai Richtung Süden dem südchinesischen Meer entlang. Nach zwei Tagen bin ich schon in der Nähe zu Malaysia, es gibt nun vermehrt Mädchen mit Kopftüchern und Moscheen zu sehen. Ich bin dann mal gespannt auf den Islam südostasiatischer Auslegung in Malaysia und Indonesien.

motorradweg 20140227 1498866694Der Grenzübertritt funktioniert einwandfrei, die Thais stempeln erstaunlicherweise mein Carnet ohne Probleme. Auf der Malaysischen Seite fällt sofort die Motorradfreundlichkeit auf. Es gibt hier extra eine Linie und Immigrationshäuschen für Mopeds (mein Töff mit den Koffern passt grade so knapp durch). Der zuständige Beamte für das Carnet ist sofort zur Stelle und in seinem Büro gibt’s die Stempel und einen kleinen Schwatz. Nach der Grenze kaufe ich mir noch die obligatorische Versicherung bei einer Filiale von Zurich. Ich habe das Gefühl, dass ich wieder in einem Land mit funktionierenden Prozessen und Rechtssicherheit bin. Die Strassen werden noch besser und es gibt auch Autobahnen wie in Europa oder seit Neustem auch in China, daher komme ich nun schnell voran. Die Bezahlstellen der Autobahnen haben jeweils ganz links eine kleines Motorradweglein, auf dem man um die Bezahlstellen herumfährt und somit gratis Autobahn fährt. Malaysia ist Motorradland. Auf der Autobahn kann es schon mal vorkommen, dass dich ein aufgemotztes Töfflein mit 120km/h überholt. Die Temperaturen sind inzwischen von den angenehmen 15 bis 20°C in Laos und Nordthailand in die mittleren 30er gestiegen, zusammen mit der Luftfeuchtigkeit gleich schweisstreibend wie die 40°C in Zentralasien.

petronas towers ii 20140225 1549527536Am ersten Tag bin ich bereits in Georgetown, oder Penang, wie die Hauptstadt der gleichnamigen Region auch genannt wird. Sofort sieht man hier, dass Malaysia aus drei Völkern besteht, den Malaien, den Chinesen und den Indern (plus noch ein paar Eingeborenenstämme der ersten Einwanderungswelle). Ich mache einen Tag Pause hier, um mal wieder meine Wäsche zu waschen, und etwas zu erkunden. Denn von hier werden ich in ungefähr einem Monat meine Maschine hinüber nach Belawan in Indonesien verschiffen. Danach mache ich noch zwei Tage frei in Kuala Lumpur und warte auf mein Indonesien-Visa. Einmal mehr fällt man zwischen die Stühle, es gibt Visa-On-Arrival, daher will die Dame am Schalter mir kein Touristenvisa geben, da ich das Visa aber im vornherein Brauche um Papiere aus Indonesien für mein Moped anzufordern, gibt es dann trotzdem eines. Es gibt aber nur eines für 30 Tage, welches bei Weitem nicht reicht, es soll aber problemlos verlängerbar sein. Einmal mehr „No Problem Sir“, von einem Beamten der weit weg sein wird, wenn es denn darum geht. Aber so ist Asien. In der Hauptstadt ist Shopping ziemlich angesagt in den riesigen Einkaufszentren. Ich esse ein-, zweimal in den Food-Courts der Malls und mache ein paar Fotos von den Petronas Towers. Für ein definitives Fotoshooting mit dem Motorrad warte ich noch bis ich meine neue Kamera in Singapur in Empfang genommen habe und komme dann nochmals zurück, denke ich mir.

malacca - wie in holland 20140225 1563601130Auf dem Weg zur Grenze zu Singapur mache ich noch einen kurzen Halt in der historischen Stadt Malakka, Namensgeberin der Malakka-Strasse zwischen Malaysia und Indonesien. Das Motorrad nehme ich nicht mit nach Singapur, ich erspare mir somit viermal Carnet Stempel, sehr teure Strassengebühren, Versicherung, Parkplatzsuche und viel Zeit. So belasse ich das Moped im sicheren Hotelparkring in der Grenzstadt Johor Bahru und fahre mit den ÖV nach Singapur. Diese stehen da einwandfrei Ausgebaut zur Verfügung. Mit MRT(U-Bahn) und Bussen kommt man fast überall hin, für den Rest gibt es Taxis. Somit ist die Fahrt zum Äquator vorerst beendet, obwohl sich Singapur auf rund 1° Nord befindet. Die effektive Überschreitung wird dann erst in Sumatra vollzogen. Die Zollabfertigung zwischen den beiden Ländern ist Massenware, da die Grenze täglich tausendfach benutzt wird. Mit nur meinem Pass zum stempeln bin ich sofort durch. Auf der Gegenseitige sehe ich eine Fussballfeld grosse Halle voller Leute, die wegen dem chinesischen Neujahrsfest, das gerade stattfindet, aus Singapur hinaus wollen.